Die neue Art bekam den Namen Odontochelys semitestacea, was so viel heißt wie "Halb-Panzer-Schildkröte mit Zähnen" und auf ihre hervorstechendsten Merkmale verweist: Sie hat nur einen Bauch-, aber keinen Rückenpanzer und Zähne anstelle der schnabelartigen Kieferleisten heutiger Schildkröten. Zur Entstehung des Panzers gibt es einige Hypothesen, aber bisher keine schlüssigen Beweise.
Fossilien offenbar von Übergangsform
Die bisher ältesten Schildkröten-Fossilien wurden in Deutschland gefunden und auf ein Alter von 204 bis 206 Millionen Jahren datiert. Die Proganochelys quenstedti besaß allerdings bereits einen vollständigen Panzer und gab den Forschern deshalb keine Hinweise darauf, wie der Schutzschild einst entstanden sein könnte. Nach Meinung der Wissenschaftler um Li-Jun Zhao vom Zhejiang Museum of Nature History (Hangzhou/China) stellen die nun entdeckten halbgepanzerten Schildkröten eine Übergangsform dar.
Einen Hinweis darauf lieferten etwa die rückseitig stark verbreiteten Rippen. Dies sei einer der ersten Schritte zu einem vollständigen Rückenpanzer. Bestätigt werde ihre Vermutung dadurch, dass der Panzer moderner Schildkröten während der Embryonalentwicklung im Ei auf die gleiche Weise gebildet wird, schreiben die Forscher. Verknöcherte Hautplatten fanden die Forscher hingegen nicht. Dies spreche gegen eine andere Theorie, nach der der Panzer durch eine Verschmelzung solcher Hautplatten mit den Rippen und dem Rückgrat entstanden sei.
Schildkröte nicht als Landlebewesen entstanden
Die Untersuchung der Wissenschaftler stellt außerdem die Annahme infrage, dass Schildkröten als Landlebewesen entstanden sind und sich erst später den Lebensraum Wasser erobert haben. Odontochelys semitestacea jedenfalls schien in flachen Küstengewässern gelebt zu haben. Darauf deute der Fundort hin, aber auch der Bauchpanzer. Dieser habe die Tiere im Wasser vor Angriffen aus der Tiefe geschützt. Auf dem Land sei ein derartiger Schutzschild bei den eng am Boden lebenden Tieren nicht vonnöten gewesen.
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