EZB senkt Leitzins erstmals unter 1,0 Prozent

05.07.2012, 13:50
EZB senkt Leitzins erstmals unter 1,0 Prozent
Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Euro- Raum erstmals seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999 unter 1,0 Prozent gesenkt. Der Zins wird um 0,25 Punkte auf 0,75 Prozent verringert. Das beschloss der EZB- Rat am Donnerstag in Frankfurt. Damit wird Zentralbankgeld für Geschäftsbanken so billig wie nie zuvor in der Geschichte der Währungsunion.

Der Zins für Übernachteinlagen bei der EZB wird ebenfalls um 25 Basispunkte reduziert, er beträgt nun null Prozent. Damit lohnt es sich für Banken überhaupt nicht mehr, Milliarden kurzfristig bei der Notenbank zu parken.

Die meisten Volkswirte hatten die Zinssenkung im Kampf gegen eine Ausbreitung der Rezession erwartet. Die Inflationsrisiken gingen zuletzt zurück, während sich die schwache Konjunktur immer weiter ausbreitet. Ökonom Marco Valli von der Unicredit sieht klare Anzeichen, dass die wirtschaftliche Schwäche aus den Krisenländern zunehmend auf den Kern des Euro- Raums übergreift und die Dynamik nachlässt.

Niedrige Zinsen kurbeln Konjunktur an

Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht tendenziell die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln. Zugleich befeuern niedrige Zinsen aber die Inflation.

Viele Beobachter sehen die Notenbank als Krisenfeuerwehr, da sie anders als die Politik schnell auf Bedrohungen reagieren kann. Neben der Zinssenkung könnte die EZB zu weiteren Mitteln greifen, um maroden Banken und - indirekt - strauchelnden Staaten zu helfen. Sie könnte Banken erneut langfristig billiges Geld leihen oder wieder Anleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kaufen.

Letzteres hatte EZB- Ratsmitglied Klaas Knot kürzlich ausgeschlossen: "Das Anleihekaufprogramm schläft tief und fest, und das wird auch so bleiben."

Aktuell hat die EZB Staatsanleihen im Wert von mehr als 210 Milliarden Euro in der Bilanz. Das seit Mai 2010 laufende Programm war von Anfang an umstritten, weil damit im Grunde durch die Hintertür Staatsausgaben mit der Notenpresse finanziert werden. Seit Monaten hält sich die EZB mit neuen Käufen zurück.

AG/red
Drucken
Werbung
0
Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings, bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Kommentar schreiben
500 Zeichen frei.
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2013 krone.at | Impressum