"Kein leichtes Jahr"
2013 entscheidet sich das Schicksal Griechenlands
Die Politiker des Landes machen keinen Hehl daraus, dass das Schlimmste noch nicht überstanden ist. Premier Antonis Samaras sieht die Gefahr einer "gesellschaftlichen Explosion". In seiner Neujahrsansprache erklärte er, 2013 werde "kein leichtes Jahr sein". Finanzminister Ioannis Stournaras warnte mit drastischen Worten davor, dass sich heuer entscheidet, ob das Land eine Zukunft hat oder "völlig zusammenbricht".
Große Unsicherheit geht vor allem von der schweigenden Mehrheit der Millionen Menschen aus, die den Mittelstand Griechenlands bilden. Die Regierung fürchtet, dass sie beim Sparmarathon nicht mehr mitziehen und keine Steuern mehr zahlen. "Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie kein Geld mehr haben werden", erklärte ein hoher Beamter im Finanzministerium.
Massive Steuerverluste
Die Summe, die dem Fiskus in der Krise mittlerweile an Steuern entgeht, beläuft sich nach offiziellen Angaben auf gewaltige 56 Milliarden Euro. Experten gehen davon aus, dass davon maximal noch 80 Prozent vom Staat kassiert werden könnten, bezeichnen dies aber als äußerst unrealistisch. Der Rest entfalle ohnehin auf pleitegegangene Unternehmen und sei damit verloren.
Drastische Lohnkürzungen
Zum Jahresanfang wurden Löhne und Gehälter von Bediensteten in staatlichen und öffentlich-rechtlichen Unternehmen weiter um etwa 25 Prozent gekürzt und damit dem Durchschnittslohn der direkt beim Staat Beschäftigen angeglichen. So verdienen etwa U-Bahn-Fahrer in Athen, die in Schichten von frühmorgens bis spätabends arbeiten, nun das Gleiche, das Büroangestellte bekommen, die um vier Uhr nach Hause gehen.
Auch obere Schichten wurden nicht ausgenommen. Der Generalstabschef verdient nach offiziellen Angaben noch 1.873 Euro netto pro Monat, der Chef des höchsten Gerichtshofes fällt von 4.134 auf 3.023 Euro zurück, ein Botschafter von 2.234 auf netto 1.899 Euro. Die Preise in den Supermärkten haben sich hingegen nicht verringert und liegen auf ähnlich hohem Niveau wie etwa in Deutschland.
Immer mehr Obdachlose
Oftmals schlimmer ist die Lage für viele, die nicht beim Staat beschäftigt sind. Weil das Heizöl enorm teuer geworden ist, wird in vielen Häusern nur noch wenig geheizt oder überhaupt nur mehr Holz verbrannt. Allein in Athen sind bereits 20.000 Menschen obdachlos, Hilfsorganisationen schätzen, dass jeder Dritte davon früher der Mittelschicht angehörte.
Rentner wühlen in Abfällen
Die Kirche und humanitäre Organisationen helfen inzwischen mehr als 250.000 Menschen mit Mahlzeiten. Auf den Wochenmärkten sieht man verzweifelte Rentner in Abfällen wühlen, um noch essbares Gemüse zu finden. Ältere Griechen erinnern daran, dass es vergleichbare Szenen nur in Zeiten der Besatzung während des Zweiten Weltkrieges gab.
Die Neujahrsfeier in der Hauptstadt fiel dementsprechend karg aus: Wenige Athener versammelten sich in der Silvesternacht unterhalb der Akropolis, um ein kleines Feuerwerk anzuschauen und dann schnell nach Hause zu gehen. In der Familie und unter Freunden wünschte man sich oftmals nicht wie sonst üblich "Ein frohes neues Jahr", sondern: "Möge 2013 nicht viel schlimmer werden als 2012."







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