Das Gesundheitssystem bewege sich auf einem schmalen Grat, umriss die Stadträtin die Problematik. "Einerseits ist es unbestritten, dass massives Übergewicht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen erhöht", unterstrich sie, "andererseits können Ernährungs- und Gewichtsempfehlungen zu einer übermäßigen Beschäftigung mit dem Gewicht und zu einem verkrampften und gesundheitsschädigenden Verhältnis zum eigenen Körper führen." Überdies warnte Wehsely vor dem zunehmenden Trend der Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen, deren Körperformen nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprächen. Gewicht sei inzwischen kein individuelles, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Thema geworden, das immer mehr zum Mittelpunkt von Geschäftsinteressen werde, meinte Frauengesundheitsbeauftragte Beate Wimmer-Puchinger.
"Der Verunsicherung der Menschen entgegenwirken"
So hätten zahlreiche Industriezweige Interesse an den Gewichtssorgen der Österreicher, um für ihre ständig neuen Angebote zur Gewichtsreduktion und Körperveränderung auch Bedarf zu kreieren - wie etwa Schönheitsoperationen und Ernährungsberatungen. Es sei wichtig, der Verunsicherung der Menschen entgegenzuwirken und das Selbstbewusstsein zu stärken, betonte Wehsely: "Wir brauchen nicht so sehr ein vermeintlich gesundes Gewicht, sondern vor allem ein gesundes Gewichtsverständnis."
"Unhysterische Diskussion über Thema notwendig"
Deswegen sei eine "unhysterische" Diskussion über dieses Thema notwendig. Das soll mit Maßnahmen gelingen, welche die Stadt 2011 setzen will. Im Jänner 2011 startet daher eine Vortragsreihe rund um die Themen Gewicht und Ernährung, die bei freiem Eintritt besucht werden kann. Zugleich soll eine Task Force aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen gegründet werden. Ziel sei es, ein "Gesamtkonzept für Wien zu stricken", erklärte Wimmer-Puchinger. Erste Ergebnisse sollen in der zweiten Jahreshälfte 2011 vorliegen.
Bereits am Dienstag widmet sich im Wiener Rathaus die internationale Tagung "Kampf ums Gewicht" mir mehr als 550 Teilnehmern diesem Thema. Unter anderem analysieren Experten die gesellschaftlichen und ökonomischen Einflussfaktoren auf die Bewertung von Gewicht und die dahinterstehenden wirtschaftlichen Interessen. Um 17.15 Uhr liest der deutsche Schauspieler Rainer Hunold im Festsaal aus seinem Buch "Ich bin nun mal dick. Ein Wohlfühlbuch". Der Eintritt zur Lesung ist frei.
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