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Wien: Verwahrloste Greisin (97) Opfer von Erbschleichern?

05.02.2012, 20:10
Wien: Verwahrloste Greisin (97) Opfer von Erbschleichern? (Bild: APA/HARALD SCHNEIDER)
Foto: APA/HARALD SCHNEIDER
Das war Rettung in letzter Sekunde: Völlig verwahrlost hat ein Spitals- Sachwalter eine 97- jährige Wienerin in einer verfallenen Wohnung ohne Warmwasser vorgefunden. Dabei ist die Greisin eigentlich Millionärin. Verdächtig: Als ihr Erbberechtigter scheint ausgerechnet der Sohn eines Notars auf.

"Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als ich die Wohnung in Wien erstmals betrat", schildert der rennomierte Jurist Tino Angkawidjaja. Ein Spital hatte ihn als Sachwalter der 97- jährigen Maria P. eingesetzt, weil die Frau bei einer Behandlung Spuren grober Vernachlässigung aufwies.

Was Angkawidjaja dann erlebte, übertraf die schrecklichsten Vermutungen. Völlig verwirrt und in lebensbedrohlichem Zustand traf er die Seniorin in der heruntergekommenen Wohnung an. Kein Warmwasser, aus der Therme trat bereits Gas aus. Eigentlich war eine Heimhilfe damit beauftragt, sich um die betagte Patientin zu kümmern, doch die dürfte offenbar ihren Beruf verfehlt haben.

"Die Zehennägel der Frau waren so weit eingewachsen, dass sie unmöglich mehr das Haus verlassen konnte. Ich werde nun Strafanzeige gegen die Sozialhilfeorganisation, die die Heimhilfe stellte, einbringen", so Angkawidjaja.

Millionen- Erbe vom verstorbenen Bruder

So weit, so schrecklich: Doch der eigentliche Skandal in der Causa bringt das Fass zum Überlaufen. Denn als Alleinerbe der Frau scheint im Testament ausgerechnet der Sohn des Notars ihres verstorbenen Bruders auf. Der honorige Herr Doktor hatte sich 2007 um die Hinterlassenschaft des Bruders gekümmert und dafür gesorgt, dass Maria P. dessen Millionen- Vermögen bekam.

Und Maria P. wiederum soll von dem - für die "Krone" bisher nicht erreichbaren - Filius des Notars, der seit 2009 im Testament vermerkt ist, beerbt werden. "Der auf höchst dubiose Weise eingesetzte Erbe hatte sich überhaupt nicht um die demenzkranke Frau gekümmert", zeigt sich Angkawidjaja entsetzt. Lange hätte die arme Frau in diesen Zuständen wohl nicht mehr überlebt.

Gregor Brandl und Mark Perry, Kronen Zeitung/red
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