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Riesige Beutelager von Mafiabande in Wien entdeckt

17.03.2010, 17:14
Foto: APA/HANS KLAUS TECHT/Andi Schiel / Video: apa
Die Bosse haben in Saus und Braus gelebt - ihre "Soldaten" jedoch auf engstem Raum, allzeit bereit, um zu Fuß zu Einbruchstouren auszuschwärmen. Jetzt werden immer mehr Details rund um die Kommandoaktion "Java" bekannt (Berichte siehe Infobox). Während zwei große Fische in Wien ins Netz gingen, ist einer ihrer "Paten- Kollegen" entwischt. Zudem entdeckte die Polizei riesige Beutelager und versucht nun, die rechtmäßigen Besitzer des Diebesguts ausfindig zu machen.

Luxuswohnungen, Limousinen, maßgeschneiderte Anzüge - die beiden in Wien gefassten, als Asylwerber getarnten, mutmaßlichen Mafia- Paten führten ein Leben wie Gott in Frankreich. Sind sie doch in der Hierarchie mit vier weiteren Paten ganz oben zu finden (siehe Interview in der Infobox). Was auch erklärt, warum ihre Wohnungen gesichert waren wie Alcatraz - beim Zugriff der Cobra war der "gewöhnliche" Rammbock nutzlos - ein Winkelschleifer musste her.

Weitere Details rund um die "Operation Java" siehe Infobox!

Die Verhafteten (42 und 40 Jahre alt) standen in engem Kontakt mit der Mafia- Zentrale in Spanien, gingen regelmäßig auf "Auslands- Geschäftsreisen" und sollen hauptsächlich für die Geldwäsche verantwortlich gewesen sein, die sie über kleine Geschäfte bzw. Sportwetten abwickelten. Für die "Drecksarbeit" mussten hingegen die sogenannten Soldaten herhalten. Und diese führten, anders als ihre Befehlshaber, kein ganz so schönes Dasein.

Die Verdächtigen lebten auf engstem Raum zusammen. Der Großteil davon in der Leopoldstadt (Bild), wo sämtliche Wohnhäuser fest in georgischer Hand und mit Fluchtwegen unterkellert sind. Ihre beauftragten Einbruchstouren mussten die "Soldaten" zu Fuß bewältigen - offenbar der Grund dafür, warum viele Tatorte in U- Bahn- Nähe liegen.

Beutelager mit kistenweise Diebesgut

Die Mafiabande nahm bei ihren Einbrüchen in Österreich so ziemlich alles mit, "was nicht niet- und nagelfest" ist. Das sagte ein Mitglied der Sonderermittlungsgruppe am Mittwoch. Die Beute, die dort gezeigt wurde, reichte vom Strohhut bis zum Hammer, vom Handy bis zur Jeans. In zwei Wohnungen im dritten und zehnten Wiener Gemeindebezirk sind kistenweise Diebesgut sichergestellt worden.

Bilder der üppigen Beute siehe Infobox!

Die Zuordnung des Diebesguts zu den rechtmäßigen Besitzern ist ein langwieriger und mühsamer Prozess. Bisher konnten die Gegenstände 19 verschiedenen Einbrüchen in Wien und im Wiener Umland zugeordnet werden, ein Teil davon wurde auch schon an die rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt. Fünf Beamte waren bisher einen ganzen Tag lang mit dem Katalogisieren der Beute beschäftigt - Räume voller Kisten warten aber noch auf die Ermittler. Man schätzt, in rund 14 Tagen mit der Zuordnung fertig zu sein.

Je mehr Details, "desto besser"

Wer der Eigentümer der Waren ist, wird vor allem über Besonderheiten der Stücke - etwa Gravuren, fehlende Steine, Kratzer, etc. - festgestellt. Sichergestellte Dinge werden dafür mit den Diebstahlsanzeigen abgeglichen. "Je detailreicher die Gegenstände in der Diebstahlsanzeige beschrieben werden, desto besser", erklärte ein Beamter. Ideal wäre es natürlich, wenn jeder einen Katalog mit Lichtbildern über seine Wertgegenstände führe. Bei Handys und Mobiltelefonen laufe die Rückverfolgung über die Seriennummer der Geräte, sofern diese bei der Diebstahlsmeldung angegeben wurde.

Telefon- Hotline für Einbruchsopfer eingerichtet

Das Bundeskriminalamt hat zusätzlich am Mittwoch eine Telefonhotline eingerichtet, an die sich Einbruchsopfer bei Fragen rund um die Operation Java wenden können. Hintergrund: Unzählige verunsicherte Betroffene haben bereits die Polizei kontaktiert, um herauszufinden, ob sich auch ihr Eigentum unter dem sichergestellten Diebesgut befindet.

Die Hotline ist unter der Nummer 24836- 85025 oder 24836- 85026 oder 24836- 85027 rund um die Uhr erreichbar.

von Klaus Loibnegger (Kronen Zeitung) und wien.krone.at

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