"Der Andrang steigt, aber wir sind gerüstet", versicherte eine Sprecherin des Fonds Soziales Wien am Mittwoch. Damit es keine Engpässe gibt, würden derzeit zusätzliche Plätze geschaffen. Es gebe zum Beispiel auch Gespräche mit dem Roten Kreuz, um bei Bedarf weitere Unterkünfte einzurichten. Der Fonds Soziales Wien betreut derzeit 422 Notquartiersplätze. Im Wiener "Vinziport" und "Vinzibett" waren zuletzt alle 132 Betten belegt.
Nahezu ausgelastet sind auch die Einrichtungen der Caritas, also die "Gruften" in Wien-Mariahilf und in Wien-Neubau. Laut einem Caritas-Sprecher hätten in Ersterer in der Nacht auf Mittwoch 75 Personen geschlafen. Restkapazitäten gebe es aber noch. Trotzdem wird weiter vorgesorgt: Die Caritas plant, bis Ende der Woche ein weiteres zusätzliches Winterquartier einzurichten. Dazu gebe es derzeit Gespräche mit der Stadt. Sie solle, betont man bei der Caritas, dazu beitragen, dass jeder, der einen Schlafplatz sucht, auch einen findet.
Hunderte schlafen im Freien oder in WC-Anlagen
Zahlreiche Betroffene verbringen derzeit trotz des Angebots an Notschlafstellen klirrend kalte Nächte nicht unter einem schützenden Dach. Laut Caritas dürften es allein in Wien einige Hundert Menschen sein, die im Freien, in WC-Anlagen oder etwa in Abbruchhäusern schlafen - Streetworker verteilen unter anderem Decken oder Schlafsäcke.
Spenden seien nun, sagt die Caritas, wichtiger denn je: Hilfe ist etwa durch die Finanzierung eines "Gruft-Winterpakets" möglich. Dieses kostet 50 Euro und besteht aus einem Schlafsack, einem warmen Essen und der Möglichkeit, sich aufzuwärmen. Auch Sachspenden wie warme, waschbare Wolldecken werden benötigt.
Grazer "Vinziwerke" komplett voll
Auch die Grazer "Vinziwerke", die sich der Versorgung von Bedürftigen und Obdachlosen verpflichtet haben, müssen seit dem Eintreffen der Kaltfront aus Sibirien immer mehr Notbetten in ihren Einrichtungen aufstellen. Die Nacht auf Mittwoch hätten 184 Menschen in ihren Grazer Häusern verbracht, zusätzlich sei für 24 Obdachlose auf Matratzen und Notschlafstellen ein warmes Plätzchen eingerichtet worden.
Schon seit Wochen seien laut Nora Musenbichler, Koordinatorin der Vinziwerke, alle Grazer Einrichtungen der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg voll belegt. Dazu gehören das "Vinzitel", das "Vinzidorf" und das "Haus Rosalie". Doch immer mehr Obdachlose suchen einen warmen Platz zum Schlafen. "Wir lassen nicht zu, dass jemand bei dieser Kälte im Freien schlafen muss. Wir schicken niemanden weg und werden bei Bedarf weitere Notbetten aufstellen", so Pfarrer und Initiator Wolfgang Pucher.
Musenbichler bat die Bevölkerung um Mithilfe bei der Versorgung der Bedürftigen: Geld- und Sachspenden, vor allem Bettwäsche und Schuhe, würden dringend gebraucht. Abgegeben werden können die Sachspenden im Vinzishop Graz in der Georgigasse 2 in Eggenberg bzw. im Vinzishop Wien in der Veronikagasse 25 im 16. Bezirk von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr. In den verschiedenen Notschlafstellen können zudem Sachspenden rund um die Uhr abgegeben werden. Auch haltbare Lebensmittel seien willkommen.
Temperaturen sinken immer weiter
An den tiefen Temperaturen wird sich laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik vorerst nichts ändern, im Gegenteil: Die Temperaturen im Osten Österreichs sinken demnach immer weiter in den Keller - am Wochenende sollen die Höchsttemperaturen nur noch rund minus zehn Grad betragen. Freuen wird sich darüber wohl lediglich die Heizungsbranche - nach Angaben der Wien Energie stieg der Gasverbrauch seit dem Kälteeinbruch um 27 Prozent.
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