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"Kardinal-König-Archiv" in Wien feierlich eröffnet

24.06.2010, 18:59
"Kardinal-König-Archiv" in Wien feierlich eröffnet
Der Nachlass des langjährigen Wiener Kardinals Franz König ist nun erstmals für die Forschung zugänglich gemacht worden. Am Donnerstag wurde im Erzbischöflichen Palais in Wien das "Kardinal- nig- Archiv" eröffnet. Bundespräsident Heinz Fischer würdigte aus diesem Anlass "das geistiges Erbe eines Mannes der Kirche, eines überzeugten Österreichers, eines bewussten Europäers und Weltbürgers".

Der 2004 verstorbene Kardinal habe "Toleranz mit festen Grundsätzen zu verbinden gewusst", sagte Fischer bei der Veranstaltung am späten Donnerstagnachmittag. König habe es in den 1960er- Jahren, einer Zeit des Umbruchs, sicher nicht einfach gehabt. Doch "er war ein Mann der Kirche, der mit beiden Beinen auf dem Boden der Wirklichkeit stand", so der Bundespräsident.

"Lebendig gebliebene Kraft" spürbar machen

Die Kirche müsse politisch handeln, dürfe aber nicht politisieren, sei das Motto Königs gewesen. "Mit einem solchen Anspruch konnte und kann auch derjenige leben, der in weltanschaulichen Dingen eine andere Position einnimmt, weil er spürt, dass hier jemand spricht, der nicht vereinnahmen will, sondern Gemeinsames sucht", sagte der Agnostiker Fischer. Das neue Archiv werde es künftig auch jungen Menschen ermöglichen, die "lebendig gebliebene Kraft" von Königs Wirken zu spüren.

Das Archiv umfasst neben der Bibliothek Königs rund 2.000 Archivschachteln mit Material, das bis 1958 zurückreicht. Verantwortlich für Konzeption und Aufarbeitung zeichnet Annemarie Fenzl, die Diözesanarchivarin der Erzdiözese Wien und langjährige Mitarbeiterin des Kardinals. Sie sprach zur Eröffnung von "work in progress" - denn Katalogisierung, Verschlagwortung und zum Teil notwendige Restaurierungs- und Digitalisierungsarbeiten von persönlichen Dokumenten, Fotos und Briefen sowie zahlreichen Gegenständen würden noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Keine freie Zugänglichkeit für alle geplant

Für die Allgemeinheit zugänglich wird das Archiv nicht sein, vielmehr soll es Forschungszwecken dienen. Die archivarisch vorgesehene Sperre der Bestände bis 50 Jahre nach dem Tod der betreffenden Person werde man im Fall Kardinal Königs vermutlich nicht gänzlich durchhalten, so Fenzl. Zwar würden insbesondere aus Gründen des Personenschutzes von noch lebenden Personen nicht sämtliche Bereiche des Archivs zugänglich werden, wichtige Bereiche der Bestände würden jedoch vereinzelt für Forschungsprojekte geöffnet.

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