Mit dem von der Natur gegebenen Geschlecht war Walter S. totunglücklich. Mädchenkleider und Schminke wogen mehr als Autos und kurze Hosen. Nach 40 Jahren als dreifacher Familienvater und liebevoller Ehegatte sowie einem ständigen Versteckspiel warf der Niederösterreicher seine sexuelle Identität über Bord. „Ich beichtete meiner Frau, dass ich kein Mann mehr sein kann, aber weiter mit ihr verheiratet sein will, und wagte die Umwandlung“, so die Mitfünfzigerin zur „Krone“ nach ihrem ersten Schultag als Lehrerin.
Stolz führt sie ihre Kostüme aus, trägt Glitzer- Schmuck und Nagellack. „Meine größte Sorge war, dass meine Umwelt feindselig reagiert. Doch zum Glück wurde ich von allen herzlich aufgenommen“, so Andrea S. Sogar ihren drei erwachsenen Kindern entschlüpft nur noch selten das Wort Papa. Und auch in der HTL schlägt der neuen Computerexpertin eine Welle der Solidarität entgegen: „Ihr Geschlecht ist Privatsache“, so der Tenor.
von Florian Hitz, Kronen Zeitung