Damals, im Sommer 2009, war es nach einer Serben- Hochzeit zu einer Verfolgungsjagd gekommen. Der Serbe war der Polizei in Liesing aufgefallen, als er durch die Breitenfurterstraße raste. Auch damals versuchte der 33- Jährige mit einem BMW zu flüchten, beschädigte mehrere Autos und lief zu Fuß weiter. Kurz danach wurde er in Wien- Meidling nach zwei Warnschüssen geschnappt.
Am 4. Jänner war Vasic, wie berichtet, von einer Funkstreife bei Katzelsdorf (NÖ) wegen Verdacht des Einbruchs erneut gefasst und in die nächste Polizeiinspektion gebracht worden. Ihm gelang trotz sechs Warnschüssen die Flucht. Eine Woche danach schoss er auf einen Wiener Polizisten, verletzte ihn lebensgefährlich und ist seitdem verschwunden.
Zum derzeitigen Aufenthaltsort des Serben kann die Polizei derzeit keine Angaben machen. Alle Aussagen darüber seien "Kaffeesud- Leserei, aber es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er sich bereits im Ausland befindet", sagte Polizeisprecher Mario Hejl.
Nichtsdestotrotz läuft die Fahndung nach dem Verdächtigen auch im Inland unvermittelt weiter. "Es gibt viele Anrufe, aber wenig qualitative Hinweise", so der Sprecher. Man müsse aber allen Informationen nachgehen. Unterdessen laufen auch Strukturermittlungen in einschlägigen Lokalen. Das nehme aber mehr Zeit in Anspruch, bis hier mit Resultaten zu rechnen sei.
Insider in serbischen Kreisen vermuteten Vasic ebenfalls bereits im Ausland. Dabei wird sein Heimatland als Rückzugsgebiet eher ausgeschlossen: "Da wäre er ja dumm. Serbien will in die EU, Vasic würde sicherlich ausgeliefert werden." Auch wenn der Verdächtige keine strafrechtlich relevanten Kontakte zu einschlägigen Wiener Unterweltgrößen aus seinem Heimatland hatte, dürfte er sich in diesem Umfeld bewegt haben. Die Szenekenner vermuten daher auch, dass der 33- Jährige sich nicht ohne Unterstützung abgesetzt hat.
Experten machten auch darauf aufmerksam, dass Vasic weiterhin brandgefährlich sei. Er komme aus einem ehemaligen Kriegsgebiet, sei entsprechend geprägt. "Er geht sicher nicht ins Gefängnis. Er wird sich aber auch nicht den Weg freischießen, wenn sein eigenes Leben in Gefahr, sprich ein etwaiger Kontrahent ebenfalls bewaffnet und vorbereitet ist", so ein Insider.
Der Zustand des 27- jährigen Beamten war unterdessen unverändert, sagte Harald Hertz, ärztlicher Leiter des Lorenz- Böhler- Krankenhauses. "Er wird weiter im künstlichen Tiefschlaf gehalten, auf jeden Fall noch über das Wochenende." Ursprünglich war bereits für Freitag die Einleitung der Aufwachphase angedacht gewesen, "aber die Lunge hat sich nicht so schnell erholt wie gehofft", erklärte der Mediziner. Es gebe aber keine Komplikationen, der Zustand sei weiterhin stabil.
Der Besatzung des Streifenwagens "Heinrich 6" war am Dienstag gegen 13.40 Uhr ein silberner BMW aufgefallen, der auf dem Lerchenfelder Gürtel eine gelbe Ampel überfuhr. Der Polizist und seine Kollegin wollten den Wagen anhalten. Der Lenker gab Gas und flüchtete. In der Nähe der Ganglbauergasse sprang der Mann aus dem Auto, lief zunächst davon und eröffnete schließlich das Feuer auf den ihn verfolgenden Beamten.
von Erich Schönauer (Kronen Zeitung) und krone.at