Panne aufgedeckt

Attentäter flüchtete letzte Woche aus Polizeigewahrsam

Wien
14.01.2010 19:07
Während der am Dienstag angeschossene Wiener Inspektor - seine Lungenfunktion ist noch leicht verschlechtert - zumindest noch bis über das Wochenende im künstlichen Tiefschlaf bleibt, wurde nun eine dramatische Polizei-Panne bekannt: Der Tatverdächtige war eine Woche vor dem Attentat schon gefasst worden, konnte aber wieder flüchten.

Zu dem fatalen Fehler kam es am 4. Jänner im Gemeindegebiet von Katzelsdorf in Niederösterreich. Ein Serbe in einem Opel Astra und zwei an einer Bus-Station herumlungernde Landsleute waren gegen 17 Uhr von einer Funkstreife aufgegriffen worden. 

Verdächtiger flüchtete aus Polizeistation
Weil der Verdacht bestand, dass es sich um Dämmerungseinbrecher handelt, wurden alle drei in die Polizeiinspektion nach Tulln gebracht. Unter ihnen auch der gesuchte Verdächtige, Mihailo Vasic. 

Da das gegen ihn verhängte Aufenthaltsverbot aber "nur" eine Verwaltungsübertretung ist, wurden dem 33-Jährigen damals keine Handschellen angelegt – in einem unbeobachteten Moment konnte er deshalb aus der Polizeistation fliehen. Die Beamten verfolgen ihn, doch selbst Warnschüsse konnten Vasic nicht stoppen. Am 11. Jänner feuerte Vasic dann in Wien auf den 27-jährigen Inspektor.

Konsequenzen für die betroffenen Beamten werde es der Kommandantin zufolge nicht geben. "Wir werden uns die Ursachen genau ansehen", sagte sie. "Es waren erfahrene Polizisten, die die Verdächtigen genau überprüft haben."

Fahndung: Schon "Hunderte Hinweise" eingegangen
Währenddessen läuft die Fahndung gegen den Mann weiter auf Hochtouren. Kripo und Interpol suchen im In- und Ausland nach dem 33-jährigen Mihailo Vasic. Laut dem Wiener Polizeisprecher Mario Hejl seien schon "Hunderte Hinweise" eingegangen.

Das Schicksal des 27-Jährigen lässt niemanden kalt: Die Ermittler gehen einer Vielzahl von Tipps aus der Bevölkerung nach. Es meldeten sich aber auch viele Polizisten, die von Informanten einen "Zund" zum möglichen Aufenthaltsort des Gesuchten oder zu seinen Kontakten erhalten haben. 

Spendenkonto für den Polizisten eingerichtet
Für den angeschossenen zweifachen Familienvater hat sich eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgebreitet. Wiens Bürgermeister stellt vom Notfallbudget der Stadt 10.000 Euro bereit. Michael Häupl: "Bei aller Anteilnahme muss vor allem auch die Zukunft der Familie gesichert sein." Ebenfalls 10.000 Euro kommen von der FPÖ – für das Kopfgeld (damit schon 20.000 Euro) auf den Polizisten-Attentäter. Zu Wort meldete sich auch Grünen-Chefin Maria Vassilakou. Sie fordert einen Notfonds für im Dienst verletzte Beamte. 

Der Verein der Freunde der Wiener Polizei hat ein Spendenkonto eingerichtet: Bank Austria, BLZ: 12000, Konto 22010956200, Kennwort "Verletzter Polizist".

Schüsse nach Ampel-Übertretung
Die Vorgeschichte: Der Besatzung des Streifenwagens "Heinrich 6" war am Dienstag gegen 13.40 Uhr  ein BMW aufgefallen, der auf dem Lerchenfelder Gürtel eine Ampel missachtete überfuhr. Der Polizist und seine Kollegin wollten den Wagen anhalten. Der Lenker gab Gas und flüchtete. In der Nähe der Ganglbauergasse sprang der Mann aus dem Auto, lief zunächst davon und eröffnete schließlich das Feuer auf den ihn verfolgenden Beamten.

von Christoph Budin, Christoph Matzl, Michael Pommer und Peter Strasser (Kronen Zeitung) und krone.at

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