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Arbeiten trotz Kälte: "Turbofrost raubt uns den Atem"

08.02.2012, 11:25
Arbeiten trotz Kälte: "Turbofrost raubt uns den Atem" (Bild:  (Bild: Martin A. Jöchl))
Rekordwinter hautnah - bei jedem Schritt knirscht es unter den kalten Sohlen. Gewohnte Handgriffe werden mit klammen Fingern zur Tortur. Trotz Turbokälte und Schneesturm harren Arbeiter im Freien aus: Sie reinigen Straßen, stellen Post zu, preisen ihr Gemüse an. Ein Lokalaugenschein in fünf Akten von Florian Hitz und Martin A. Jöchl.

Wie im Kühlschrank: Noch lange bevor der Morgen dämmert, bringt der Lkw das Gemüse zu den Märkten. "Die Finger frieren fast an den Kisten fest. Solange die Ware nicht vereist, ist alles noch im grünen Bereich", erklärt Standler Saban Aydin (Bild) lächelnd. Abends ist er aber froh, wenn seine Füße wieder auftauen.

Mit großem Gedröhn kämpfen sich derweil Dagmar L. und ihr Schneepflug (Bild 2) über den Gehsteig in Wien- Margareten. Es ist neun Uhr - und bitterkalt. Seit fünf Stunden frisst sich die Maschine durch die Flockenpracht. "Früher hat es auch eisige Winter gegeben, das gehört zum Beruf", schildert die 60- Jährige schulterzuckend. Seit 40 Jahren steht die gute Seele bei jedem Wetter für die Mieter im Haus parat. Früher habe man überhaupt alles mit der Hand geschaufelt.

Polizisten trotzen Kälte in korrekter Dienstkleidung

Ampelausfall am Gürtel beim Südbahnhof - nun müssen Polizist Erwin K. und sein Kollege (Bild 3) das Verkehrschaos per Hand steuern. Vorschriftsgemäß mit Schirmmütze statt Schneehaube in der Eiseskälte. Der Sturm dringt durch jede Ritze. "Lange hält man diese Tortur aber nicht aus", so der Burgenländer. Und schaut dabei seiner Atemluft nach, die sich wie ein weißer Nebel auf den Asphalt senkt.

Post muss auch bei Minusgraden verteilt werden

Der ehemalige Tormann Stefan M. (Bild 4) aus Floridsdorf trotzt als Postler ebenfalls Schnee und Kälte. Wenn andere noch ihre Autos enteisen, stapft der 28- jährige Wiener bereits von einem Haus zum nächsten. "Ich trage mehrere Schichten. Die Bewegung hält mich zudem halbwegs warm", so M. zur "Krone". Im Sommer legt sich der Frühaufsteher nach einer anstrengenden Schicht ja gerne ins Freibad - heute träumt er nur noch von der heißen Badewanne.

Straßenreiniger kämpfen gegen klamme Finger

Mit kalten Ohren pickt Patrick K. (20, Bild 5) den Dreck vom Gehsteig. "Viele Pullover und heißer Kaffee helfen mir", sagt der Straßenreiniger. Noch hat er sein Pensum nicht erledigt. Überhaupt: Bis weit in die kommende Woche hinein hat der Winter wieder Hochsaison - klamme Finger sind dabei trotz wärmender Handschuhe inkludiert.

Gar nicht mehr den Tausenden Anrufen nachkommen können die Pannenfahrer der Autofahrerclubs. Je kälter der Winter, desto mehr Starthilfe. "Mir hat der ÖAMTC gesagt, ich soll per Taxi fahren. Der Club übernimmt Rechnungen bis 70 Euro, weil sich ein Einsatz zeitlich nicht ausgeht", sagt Dr. Pia Z. aus Wien.

Florian Hitz und Martin A. Jöchl, Kronen Zeitung
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