Deutschlandbesuch

Zehntausende umjubeln den Dalai Lama in Berlin

Ausland
19.05.2008 19:42
Vor Zehntausenden Menschen hat der Dalai Lama am Montag in Berlin sein tiefes Mitgefühl für die Opfer des schweren Erdbebens in China ausgedrückt. "Wir beten für die Opfer und die Vertriebenen", sagte er bei der pro-tibetischen Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Viele Eltern hätten als Folge der Ein-Kind-Politik Pekings ihr einziges Kind verloren. Auch Demonstrationen von Exil-Tibetern sollten aus Solidarität einige Tage unterbrochen werden.

Zu der Kundgebung mit dem Friedensnobelpreisträger und tibetischen Exil-Oberhaupt kamen nach Polizei-Angaben etwa 20.000 Menschen. Am Brandenburger Tor trug ein großes Transparent die Aufschrift "Freiheit - Deutschland für Tibet - Tibet für die Welt". Die Menschen ließen Luftballons steigen und schwenkten tibetische Fahnen.

Die Fahnen seien kein Symbol gegen China oder für Separatismus, betonte der Dalai Lama. Der frühere Staats- und Parteichef Mao Tse-tung (Mao Zedong) selbst habe in den 50er Jahren die Erlaubnis gegeben, die tibetische Flagge zu behalten. Die rote Flagge Chinas mit den fünf Sternen hingegen sei das Symbol eines starken Staates, von dem die wirtschaftlich zurückgebliebenen Tibeter materiell profitieren könnten.

Streit um politische Gespräche mit dem Dalai Lama
Der Dalai Lama führte zum Abschluss seines fünftägigen Besuchs in Deutschland am Montag eine Reihe politischer Gespräche in Berlin, darunter mit der deutschen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Sie hatte den Dalai Lama als einziges Regierungsmitglied empfangen. China hatte gegen das Treffen protestiert. Auch aus der eigenen Partei wurde die SPD-Politikerin heftig kritisiert. SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow etwa reagierte gegenüber dem "Straubinger Tagblatt" (Dienstag-Ausgabe) mit den Worten: "Man muss sehen, dass der Dalai Lama eine Einigung in der Tibet-Frage eher verhindert als fördert".

Dalai Lama: "Streben keine Abspaltung an"
Der Dalai Lama grenze sich nicht klar genug von jenen Kräften in der tibetischen Exilregierung ab, die nicht nur Autonomie in Kultur und Religion sondern Selbstständigkeit wollten, so Kolbow. Er fragte auch, wofür das Geld ausgegeben werde, "das auch in Deutschland bei den Veranstaltungen des Dalai Lama eingesammelt wird. Aus den USA kommen Gelder aus den Republikanern nahe stehenden Töpfen mit dem Versuch, China zu destabilisieren." Doch wenn China implodiere, "haben wir weltweit Probleme", sagte er.

Der Dalai Lama war zudem mit CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder, Vertretern der Grünen-Führung und FDP-Politikern zusammengekommen und Gast beim Auswärtigen Ausschuss des Bundestages. Nach dem rund einstündigen Gespräch im Bundestag betonte der Dalai Lama: "Wir streben keine Abspaltung an - in unserem eigenen Interesse."

Bitte um gewaltlosen Widerstand
Auch bei der Kundgebung in Berlin rief der Exil-Führer der Tibeter erneut zur Gewaltlosigkeit auf. Konflikte wie in Tibet ließen sich nur im Dialog lösen, nicht mit Gewalt; selbst die Berliner Mauer sei nicht durch Gewalt, sondern durch eine breite Friedensbewegung zu Fall gebracht worden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) forderte "Selbstbestimmungsrecht für Tibet". Auch Musikgruppen und prominente Künstler unterstützten die Solidaritäts-Veranstaltung, darunter die Band "2Raumwohnung".

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