Zehntausende bei großer Anti- Putin- Demo in Moskau

12.06.2012, 16:58
Foto: EPA / Video: APA
Aufmarsch gegen Wladimir Putin am russischen Unabhängigkeitstag: Aus Protest gegen den Präsidenten sind am Dienstag in Moskau Zehntausende Regierungsgegner auf die Straße gegangen. Es war die erste große Aktion der Opposition, seit ein verschärftes Versammlungsgesetz gilt. Es sieht drastische Geldstrafen für Verstöße gegen das Demonstrationsrecht vor. Putin zeigte sich bei einem Gläschen Sekt mit Premier Dmitri Medwedew (Bild) von den neuen Massenprotesten gegen ihn demonstrativ unbeeindruckt.

Trotz gewittrigen Wetters beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren etwa 50.000 Menschen an den Protesten. So viele Teilnehmer hatten die Behörden für den Marsch und die im Anschluss geplanten Kundgebung genehmigt. Die Polizei sprach von etwa 15.000 Demonstranten, der Chef der Linken Front, Sergej Udalzow, hingegen von 100.000 Menschen.

"Putin ins Gefängnis"

Udalzow ignorierte eine Vorladung der Polizei und marschierte an der Spitze von Anhängern, die rote Fahnen schwenkten und in Sprechchören "Putin ins Gefängnis" und "Alle Macht dem Volk" riefen. Unter den Demonstranten waren auch Angehörige der Mittelschicht, die in den Jahren des vom Ölexport getriebenen Booms zu Wohlstand gekommen waren und die nun politische Mitsprache fordern. Zudem befürchten sie, dass die russische Wirtschaft in Putins dritter Amtszeit stagnieren könnte.

Der Protestmarsch auf einer Ringstraße im Zentrum der Hauptstadt verlief zunächst friedlich, wie ein Reporter berichtete. "Putin, hau ab", rief die Menge immer wieder. Mehr als 12.000 Polizisten und Beamte des Innenministeriums waren an dem Nationalfeiertag nach offiziellen Angaben in der Hauptstadt im Einsatz. Im Stadtzentrum sperrten Einsatzwagen der Sicherheitsbehörden ganze Straßenzüge ab.

Internetseiten unabhängiger Medien lahmgelegt

Indessen wurden mehrere regierungskritische Internetseiten während der Demonstration offenbar lahmgelegt. Gegen die Homepages des Radiosenders Echo Moskwy sowie des Internet- Fernsehkanals Doschd habe es je eine DDos- Attacke gegeben, teilten die Redaktionen mit. Bei solchen Angriffen werden Server so lange mit sinnlosen Anfragen überflutet, bis sie zusammenbrechen.

Auch die renommierte Oppositionszeitung "Nowaja Gaseta" war über das Internet vor Beginn der Demonstration nicht mehr zu erreichen. Diese Internetseiten waren bereits während der umstrittenen Parlamentswahlen im Dezember vorübergehend offline. Oppositionsführer gehen davon aus, dass dafür Cyber- Attacken kremltreuer Jugendgruppen verantwortlich sind.

AG/red
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