Rückwirkend gültig

Verfassungsgericht in Portugal verwirft Teile des Sparetats

Ausland
05.04.2013 23:04
Die portugiesische Regierung muss einen herben Rückschlag für ihre Sparpolitik hinnehmen. Das Verfassungsgericht in Lissabon erklärte am späten Freitagabend Teile des Sparhaushalts 2013 für unrechtmäßig. Das Land muss nun nach neuen Wegen suchen, um die im Gegenzug für Milliardenhilfen der anderen Eurostaaten und des Internationalen Währungsfonds vereinbarten Sparvorgaben umzusetzen.

Das Budget des laufenden Jahres sieht massive Steuererhöhungen sowie Kürzungen bei Pensionen, Gehältern und Sozialleistungen vor. Die Richter urteilten nun, dass die Abschaffung des 14. Monatsgehaltes für Beamte und Pensionisten sowie Abgaben auf Arbeitslosenhilfe und Krankengeld nicht verfassungsgemäß sind. "Die Gesetze müssen mit der Verfassung übereinstimmen, nicht umgekehrt", sagte der vorsitzende Richter des Verfassungsgerichts, Joaquim Sousa Ribeiro. Das Urteil sei auch rückwirkend gültig, betonte der oberste Verfassungsrichter.

Nach Schätzungen der portugiesischen Presse fehlen der Regierung damit rund 1,25 Milliarden Euro an Einsparungen. Das Kabinett von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho (Bild) will daher schon am Samstag zusammenkommen, um über Konsequenzen aus dem Urteil zu beraten. Gegen die Sparbeschlüsse hatten nicht nur die Linksparteien der Opposition geklagt, sondern auch Staatspräsident Anibal Cavaco Silva.

Das überschuldete Portugal hatte im Mai 2011 von Eurostaaten und IWF die Zusage für einen Kredit in Höhe von 78 Milliarden Euro erhalten. Im Gegenzug verpflichtete sich die damalige Regierung unter Führung der Sozialistischen Partei zu einem strikten Sparkurs und Privatisierungsmaßnahmen. Mittlerweile lehnen die Sozialisten das Sparpaket im Gegensatz zur konservativen Regierung von Coelho aber ab.

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