Offenbar Islamist

Verdächtiger nach Messerangriff in Paris in Haft

Ausland
29.05.2013 19:33
Vier Tage nach der Messerattacke auf einen französischen Soldaten in Paris ist der mutmaßliche Täter - ein zum Islam konvertierter junger Mann - gefasst worden. Der Mann habe die Tat nach seiner Festnahme am Mittwochmorgen gestanden, sagte der Pariser Staatsanwalt Francois Molins. Polizeikreisen zufolge hatte ein Geheimdienst im Februar die "Radikalisierung" des jungen Mannes gemeldet.

Festgenommen wurde Alexandre D., der am Donnerstag 22 Jahre alt wird, in La Verriere westlich von Paris bei einer Freundin. Den Ermittlern zufolge halfen bei der Ergreifung des Tatverdächtigen Aufnahmen einer Sicherheitskamera, auf denen der 22-Jährige zehn Minuten vor der Tat beim Gebet in einem gut besuchten Einkaufszentrum zu sehen ist. In diesem soll der Verdächtige ein Getränk und auch die Tatwaffe gekauft haben, erklärte Staatsanwalt Francois Molins am Mittwoch.

Tat war religiös motiviert
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelte er wahrscheinlich aus "seiner religiösen Ideologie" heraus und wollte "offenkundig" töten. Bisher sei der Festgenommene aber lediglich wegen kleinerer Delikte wie Diebstahl aufgefallen.

Sein Ausweis sei einmal kontrolliert worden, als er 2009 auf offener Straße gebetet habe. Von diesem Gebet abgesehen habe nichts darauf schließen lassen, dass der Mann gefährlich sein könnte, erklärte der Chef der Pariser Kriminalpolizei, Christian Flaesch. Auch stamme der Verdächtige aus einer "durchaus respektablen Familie".

Wusste Geheimdienst über den Mann Bescheid?
Während nach Angaben der Staatsanwaltschaft Alexandre D. dem französischen Geheimdienst nicht bekannt war, bestätigte eine Quelle der Polizei einen Bericht der Zeitung "Le Monde", wonach der Inlandsgeheimdienst SDIG den Mann überwachte und im Februar auf seine Radikalisierung aufmerksam machte. Normalerweise werden solche Hinweise an den übergeordneten Inlandsgeheimdienst DCRI weitergeleitet, hieß es.

Soldat konnte Spital bereits verlassen
Der 23-jährige Soldat, der am Samstag bei einer Militärpatrouille im Pariser Geschäftsviertel La Defense von hinten attackiert und mit einem Messer am Nacken verletzt wurde, konnte das Krankenhaus inzwischen verlassen. Drei Tage vor dem Angriff in Paris war in London ein britischer Soldat auf offener Straße von mutmaßlichen Islamisten ermordet worden (siehe Infobox). Die Polizei vermutet daher eine Nachahmungstat.

In Ermittlerkreisen hieß es, der 22-Jährige habe sich seit einigen Jahren zu einem "traditionalistischen oder gar radikalen Islam" bekannt. Als Anhänger des Jihad war er demnach aber bisher nicht bekannt. Innenminister Manuel Valls sagte, die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft müsse mehr über "Werdegang, Umfeld und Motive dieses jungen Mannes" aufdecken.

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