Zudem hat sich Premier Viktor Orban mit seinem Krieg gegen die eigene Zentralbank und die EU auch einen "Streik" der misstrauisch gewordenen internationalen Investoren zugezogen.
In einer völligen Umkehr des bisherigen Konfrontationskurses will die Regierung Orban nun den Internationalen Währungsfonds und die EU um Notkredite ersuchen. Schon am Montag wollen ungarische Sonderminister zum eiligen Canossagang aufbrechen. Ungarn soll nun "so schnell wie möglich" ein Abkommen mit dem Weltwährungsfonds abschließen und will auch Bedingungen akzeptieren. "Die Regierung ist sich des Ernstes der Lage bewusst", sagte Minister Tamas Fellegi.
Premier Orban hatte im Wahlkampf den "wirtschaftlichen Befreiungskrieg" ausgerufen und nach dem Wahlsieg die Zusammenarbeit mit dem Währungsfonds aufgekündigt, weil er Ungarn keinem "fremden Diktat" (Sparauflagen) unterstellen wollte. Übermütig sagte er damals: "Wenn der Währungsfonds (wieder) kommt, bin ich weg."
Seine folgende "unorthodoxe Wirtschaftspolitik" führte zu einer Schuldenexplosion. Bald reichten die Sondersteuern und andere Millionenbelastungen für (ausländische, vorwiegend österreichische) Banken nicht mehr zur Finanzierung des Budgetlochs aus.
Aber es kann noch ärger kommen: Orban spekuliert auf das Prinzip "Too big to fail": Einen großen Schuldner kann man nicht fallen lassen. Und so wird der Staatengemeinschaft nichts anderes übrig bleiben, als mit Rettungsschirmen und viel Geld nicht nur die großen Banken oder Griechenland, Italien, Spanien und Portugal zu retten, sondern nun auch Ungarn. Als Folge der zusätzlichen Last ist der Euro an den Börsen am Freitag deutlich eingebrochen.