Ex-Premier wurde 80

Ungarn: Mann, der Eisernen Vorhang durchschnitt, ist tot

Ausland
19.06.2013 18:57
Ungarns sozialistischer Ex-Premier Gyula Horn (1994-1998) ist am Mittwoch im Alter von 80 Jahren in Budapest verstorben. Das berichtet die Nachrichtenagentur MTI. Horn war von Mai 1989 ein Jahr lang Außenminister der Nemeth-Regierung. In dieser Funktion wurde er weltbekannt, als er gemeinsam mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock (im Bild mit Horn) im Juni 1989 in einem symbolischen Akt den Eisernen Vorhang durchschnitt.

Im Oktober 1989 gehörte Horn zu den Gründern der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), deren Vorsitz er von 1990 bis 1998 innehatte. Von 1990 bis 2010 gehörte er zu den Abgeordneten des Parlaments, nahm jedoch ab September 2007 aus Gesundheitsgründen nicht mehr an der Parlamentsarbeit teil.

Mit dem Namen Horn ist auch die Grenzöffnung für die sich in Ungarn aufhaltenden DDR-Flüchtlinge vom September 1989 verbunden, die maßgeblich zum Ende des kommunistischen Regimes in Ostdeutschland beitrug. Horn wird als der Mann bezeichnet, der den ersten Stein aus der Berliner Mauer brach.

Für seine Taten wurde Horn im Ausland mehrfach ausgezeichnet, Ungarns konservativer Präsident Laszlo Solyom verweigerte ihm jedoch anlässlich seines 75. Geburtstages die vom sozialistischen Premier Ferenc Gyurcsany vorgeschlagene Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz der Republik. Grund für die Verweigerung sei Horns Rolle im Ungarn-Aufstand 1956, argumentierte Solyom damals.

Der rechtskonservative Premier Viktor Orban gratulierte Horn dann im Vorjahr zu dessen 80. Geburtstag. In einem Brief betonte Orban, es sei "die Pflicht jeden Leiters, der den Eid auf den Dienst an der Gemeinschaft ablegte, der Arbeit der Vorgänger Anerkennung zu bezeugen".

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