Ukraine: Behörden drohten Ärzten bei Timoschenko- Check

24.02.2012, 08:00
Ukraine: Behörden drohten Ärzten bei Timoschenko-Check (Bild: EPA)
Foto: EPA
Westliche Ärzte sind besorgt wegen des Gesundheitszustands der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko. "Wir denken, diese Frau ist krank und hat permanent Schmerzen", schrieb der kanadische Mediziner Peter Kujtan, der mit Kollegen Zugang zur 51- Jährigen erhalten hatte, in einem Brief an den ukrainischen Botschafter in Ottawa. Der Arzt wirft den Behörden vor, das Ärzteteam an einer vollständigen Untersuchung gehindert zu haben. Außerdem sei die Anwendung von Geräten unter Androhung rechtlicher Konsequenzen verweigert worden.

Die drei kanadischen und zwei deutschen Ärzte hatten Ex- Regierungschefin Timoschenko vergangene Woche im Gefängnis von Charkiw besucht, um sich ein Bild von ihrem Gesundheitszustand zu machen und um toxikologische und Blut- Tests vorzunehmen. Nach ihrer Abreise erklärten die ukrainischen Behörden, die Ärzte hätten die offizielle Diagnose bestätigt. Timoschenko müsse weder ins Krankenhaus eingeliefert noch operiert werden.

Kujtan schrieb in seinem Brief, die Behörden hätten das Ärzteteam zu einer Untersuchung Timoschenkos eingeladen und dafür sogar medizinische Geräte mitgebracht. Doch deren Anwendung sei ihnen unter Androhung rechtlicher Konsequenzen verweigert worden. "Die Behörden haben auch die Entnahme von für die Analyse notwendigen Proben verhindert", schrieb Kujtan. "Frau Timoschenko war voll einverstanden und hat die vertrauliche und unabhängige Untersuchung verlangt", erklärte der Arzt. Jede Behauptung, sie habe die Untersuchung verweigert, sei falsch.

"Wir denken, diese Frau ist krank und hat permanent Schmerzen", hieß es in dem Brief. Es seien verschiedene Laboruntersuchungen nötig. Er und seine Kollegen seien zudem besorgt darüber, dass Timoschenko Medikamente verabreicht worden seien, die in Kanada verboten sind.

Zu sieben Jahren Haft verurteilt

Die einstige Anführerin der orangenen Revolution des Jahres 2004 und spätere Ministerpräsidentin sitzt seit August im Gefängnis und wurde im Oktober wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sie leidet an starken Rückenschmerzen und kann nach Angaben ihrer Anwälte kaum noch gehen, was die Vollzugsverwaltung bestreitet. Die EU kritisiert die Inhaftierung Timoschenkos, die bei der Präsidentschaftswahl 2010 gegen ihren Erzrivalen Viktor Janukowitsch unterlag, als politisch motiviert.