Über 300 Tote und 3.300 Verletzte bei Iran- Beben

13.08.2012, 10:56
Foto: EPA / Video: APA
Die Zahl der Opfer der Erdbeben im Nordwesten des Iran ist auf mehr als 300 gestiegen. 3.300 Menschen seien verletzt worden, teilte Gesundheitsministerin Marsieh Wahid Dastdscherdi am Montag vor dem Parlament mit.

Die Gegend in der Provinz West- Aserbaidschan war am Samstag kurz nacheinander von zwei Erdstößen der Stärke 6,3 und 6,4 erschüttert worden. Betroffen war die vorwiegend ländliche Bergregion um die Städte Warsakan, Ahar und Heris.

Nach Angaben der Regierung wurde die Hälfte der 600 betroffenen Dörfer zu 40 bis 100 Prozent zerstört. Zahlreiche Opfer wurden nicht in Leichenschauhäuser gebracht, sondern gemäß dem islamischen Brauch noch am Wochenende begraben.

"In einer Minute war alles weg"

"In einer Minute war alles weg", berichtete der 51- jährige Karim in dem Dorf Badsche- Badsch am Sonntag. Das Dorf hatte vor dem Erdbeben ungefähr 1.000 Einwohner und 200 Häuser. Nur etwa 20 Häuser haben die Beben überstanden.

"Dieses Dorf ist ein Massengrab", sagte der iranische Rettungshelfer Aliresa Haidari mit verzweifelter Stimme. Er arbeitete sich die gesamte Nacht auf Sonntag hindurch mit einer Schubraupe durch die weitgehend zerstörte Ortschaft. Vorsichtig schob er Schicht für Schicht den Schutt der eingestürzten Häuser aus Lehm und Stein beiseite - immer in der Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Doch Haidari entdeckte nur immer weitere Leichen.

In Dörfern können sogar schwache Beben viele Tote fordern

Erdbeben im Iran gibt es fast jede Woche, aber nicht alle sind so verheerend wie die Beben vom Samstag. Denn die Häuser in den iranischen Städten und auch Kleinstädten sind einigermaßen solide gebaut. Aber in den Dörfern kann sogar ein schwaches Beben zahlreiche Menschenleben kosten.

"Viele Menschen hätten vielleicht gerettet werden können, wenn es hier zumindest kleine Kliniken gegeben hätte", sagte ein Helfer der Hilfsorganisation Roter Halbmond. Die gebe es aber nicht, auch keine Ärzte. Die Schwerverletzten mussten in Krankenhäuser in den naheliegenden Städten transportiert werden. Manche Opfer jedoch starben auf dem Weg dorthin. Der Rote Halbmond hat daher in dem Krisengebiet neben Zelten auch mobile Krankenhäuser aufgebaut. "Viele hat das gerettet, für viele kam es aber zu spät - und das ist sehr traurig", so der Helfer.

Epizentrum nahe der Millionenstadt Tabriz

Das Erdbebengebiet ist rund 190 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt, die Distanz zu den Grenzen Armeniens und Aserbaidschans beträgt 90 Kilometer. Das Epizentrum des Erdbebens lag etwa 60 Kilometer von der Millionenstadt Tabriz entfernt. Unter den 1,5 Millionen Einwohnern in Tabriz brach Panik aus. Laut den amtlichen Nachrichtenagenturen MEHR und FARS flohen viele Menschen aus ihren schwankenden Häusern ins Freie. In Teilen der Region brachen die Telefon- und Mobilfunknetze zusammen. 

Horror- Beben im Dezember 2003

Im Iran gibt es häufig Erdbeben, weil dort mehrere tektonische Platten aufeinandertreffen. Ein besonders schweres Beben ereignete sich im Dezember 2003. Damals kamen im Südosten des Landes 31.000 Menschen ums Leben. Bei einem Erbeben im Nordosten Irans erst im Jänner wurden mehr als hundert Menschen verletzt.

AG/red
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