Frauen befreit
USA: Heldenhafter Nachbar über Nacht ein Internetstar
Seinen Montagabend hat sich Charles Ramsey wohl anders vorgestellt: Er saß gerade beim Abendessen, als er plötzlich Schreie hörte. Kurz darauf trat er die Tür seines Nachbarn ein und ermöglichte damit drei Frauen - und einem sechsjährigen Mädchen -, die jahrelang in dem Haus gefangen gehalten wurden, die Flucht. Ohne es zu ahnen, brachte Ramsey mit seinem beherzten Eingreifen einen der spektakulärsten Entführungsfälle der jüngeren US-Geschichte ans Licht.
Nachbar nun ein "Nationalheld"
Der Hauptverdächtige, der 52-jährige ehemalige Schulbusfahrer Ariel Castro, und seine zwei Brüder wurden festgenommen (siehe Infobox), mit der Einvernahme der Opfer geht man es in Anbetracht der Tragweite des Falls langsam an: Während die Polizei mit ihren Ermittlungen erst am Anfang steht, wird Ramsey bereits zum "Nationalhelden" hochstilisiert. Nur wenige Stunden nach einem Interview mit einem lokalen Nachrichtensender war seine heldenhafte Tat Topthema in den sozialen Netzwerken. Menschen aus dem ganzen Land feierten den Mann, der den Frauen half, ihrem Schicksal als Gefangene zu entrinnen.
"Ich esse mein McDonald's. Ich gehe nach draußen und sehe dieses Mädchen, das gerade durchdreht, weil es aus dem Haus raus will", schilderte Ramsey am Montagabend die Ereignisse gegenüber dem CNN-Partnersender WEWS. "Ich gehe auf die Veranda (des Nachbarhauses, Anm.) und sie sagt: 'Hilf mir raus. Ich bin hier schon eine lange Zeit.'" Er habe angenommen, es handle sich um einen Fall von häuslicher Gewalt. Daraufhin habe er, mit Hilfe eines anderen Anrainers, einen Teil der Tür eingetreten, woraufhin die Frau mit einem kleinen Mädchen im Arm durch das Loch ins Freie geklettert sei.
Ramsey: "Es war erstaunlich"
"Sie kommt mit dem kleinen Mädchen raus und sagt: 'Rufen Sie 911 an. Mein Name ist Amanda Berry'", so Ramsey über den Beginn der Befreiungsaktion. Er habe dann den Polizeinotruf gewählt und der jungen Frau den Hörer gegeben. Dass Berry eine seit Jahren vermisste Frau aus der Nachbarschaft ist, habe er erst während des Anrufes realisiert. "Ich dachte, das Mädchen sei tot." Die Rettung der beiden anderen Frauen aus Castros Haus durch die alarmierten Polizisten kommentierte er gegenüber WEWS mit den Worten: "Es war erstaunlich."
Während Ramseys schnelles Handeln ihn zum Helden machte, wurde er mit seinen durchaus bunten Beschreibungen über die Befreiungsaktion zudem binnen weniger Stunden zum Topthema auf Twitter. Auch im TV und auf den Webseiten großer US-Nachrichtensender wurde am Dienstag ausführlich über den neuen "Internetstar" Charles Ramsey berichtet.
"Castro muss große Eier haben"
Castro müsse seiner Ansicht nach "große Eier haben, um so etwas durchzuziehen. Wir sehen diesen Kerl jeden Tag, ich meine wirklich jeden Tag", fand Ramsey deutliche Worte über seinen Nachbarn, der sich als "Mädchenfänger" entpuppte. Demnach gab es nie irgendetwas Aufregendes über Castro zu vermelden.
Der beste Sager Ramseys: "Ich wusste, dass etwas nicht stimmte, als ein kleines hübsches weißes Mädchen in die Arme eines schwarzen Mannes lief. Etwas ist hier falsch. Untrügliches Zeichen." Das Zitat wurde mittlerweile unzählige Male von Internet-Usern geteilt, die Ramsey als "wahren Helden" feiern. In einem der Top-Tweets über Ramsey schrieb etwa Komiker Patton Oswalt (hierzulande als Spence aus der Sitcom "King of Queens" bekannt): "Lieber Charles Ramsey: Ich bin kein kleines hübsches weißes Mädchen, aber ich möchte unbedingt in deine schwarzen Arme laufen. #Held".
Remix als Hit auf YouTube
Damit nicht genug, schickt sich das Interview des Helden auch noch dazu an, als Autotune-Remix (Autotune ist ein Computerprogramm, das verwendet wird, um die Stimme zu "glätten", Anm.) zum YouTube-Hit zu werden. Weitere Remixe dürften wohl nicht lange auf sich warten lassen.







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