"Mondbasis bis 2021"
USA: Die grandiosen Weltraum-Visionen des Newt Gingrich
Der Vorschlag mutet auf den ersten Blick eher wie der nostalgische Fiebertraum eines Politikers an, der in Krisenzeiten an die Raumfahrtprogramme von Präsidenten wie John F. Kennedy, Ronald Reagan und George Bush sen. - und damit an die glorreichen Supermacht-Zeiten der USA – anknüpfen will. Er sei enttäuscht darüber, was aus dem Traum des Weltraumzeitalters wurde, monierte Gingrich am Mittwoch bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida. Es habe ihn schwer getroffen, als Präsident Barack Obama das unter George Bush jun. 2004 initiierte Constellation-Programm der Luft- und Weltraumbehörde NASA - und damit die Vision der amerikanischen Weltraumerkundung – beendete.
Luftfahrtboom der 30er-Jahre als Vorbild
Konkret wolle er eine stabile kommerzielle Raumfahrtindustrie nach dem Vorbild des Luftfahrtbooms der 1930er-Jahre entwickeln sowie die Erforschung des Mars ausbauen, sagte Gingrich vor etwa 700 Zuhörern. Das Jahresbudget der NASA wolle er dafür nicht vergrößern, aber zehn Prozent – rund zwei Billionen Dollar – des Finanzrahmens der Behörde heranziehen, um Anreize für den privaten Sektor zu schaffen. Unternehmer würden dadurch neue Meilensteine in der Raumfahrt verwirklichen können, ist er überzeugt.
Experten: "Aggressive Mission"
"Eine aggressive Mission", beurteilt Robert Whelan, Raumfahrt-Experte und Vorstandsmitglied des Militärtechnik-Produzenten Harris, Gingrichs Pläne gegenüber der Tageszeitung "Washington Post". Doch eine Strategie der Preisausschreibungen würde für eine derart ambitionierte Mission nicht funktionieren, ist Edward Ellegood, Analyst für Weltraum-Strategien an der Embry-Riddle-Aeronautic-Universität, überzeugt. Und eigentlich, so die Experten, würde die Privatsektor-Strategie den aktuellen Plänen Obamas nicht unähnlich sein - nur grandioser angepriesen.
Mondbasis als 51. Bundesstaat der USA?
Beim Publikum in Florida – darunter zahlreiche Mitarbeiter der krisengeschüttelten Raumfahrtindustrie - finden die Visionen des Ex-Parlamentspräsidenten offenbar Anklang. Seine Ideen garnierte Gingrich bei der Wahlkampfveranstaltung mit persönlichen Anekdoten – etwa wie er als Jugendlicher die Bücher von Isaac Asimov und Robert A. Heinlein sowie Magazine über Flugkörper und Raketen verschlungen habe. Er ging sogar so weit, einen Vorschlag, den er als junger Kongressabgeordneter gemacht hatte, wieder aus der Schublade zu holen: Sobald 13.000 US-Bürger am Mond leben, könnten sie beantragen, der 51. Bundesstaat der USA zu werden.
Rivale Mitt Romney: "Keine gute Idee"
"Vielleicht eine große, aber keine gute Idee", bezeichnete Rivale Mitt Romney Gingrichs Weltraum-Pläne bei einer TV-Debatte der beiden aussichtsreichsten Bewerber am Donnerstag. Ins gleiche Horn stieß auch Kandidat Rick Santorum: "Rauszugehen und neue Programme und große Ideen zu versprechen, ist vielleicht ein gutes Mittel, um Wählerstimmen zu bekommen, aber es ist keine verantwortungsbewusste Sache."
Doch Gingrich lässt sich trotz der Verbalattacken nicht von seinen Plänen abbringen. Sein Programm wäre zu "90 Prozent Privatsektor" und er hege den Wunsch, Weltraumflüge so alltäglich werden zu lassen, dass die USA künftig "sechs bis sieben Starts am Tag" zählen werden, entgegnete er Romney bei der TV-Debatte. Und er ergänzte: "Ich möchte einen Amerikaner auf dem Mond sehen, bevor die Chinesen dort sind."
Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet
Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner ist indessen weiterhin völlig offen (siehe Infobox). Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Romney und Gingrich in Florida hin. Bei den bisherigen drei Vorwahlen konnten sie je einen Sieg einfahren. Experten gehen davon aus, dass das Rennen noch Wochen weitergehen wird. Endgültig entscheidet erst der Republikaner-Parteitag im Sommer, wer gegen Präsident Obama antreten soll. Die Präsidentenwahlen sind am 6. November.







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