"King of Bain"
US-Wahlkampf-Film zeigt Romney als gierigen Job-Killer
In dem Film "King of Bain: When Mitt Romney came to town" wird auf 28 Minuten in für einen Wahlkampffilm fast epischer Länge über Romneys Hedge Fonds berichtet. Und die Gegenüberstellungen von Aussagen betroffener entlassener Arbeiter und Romneys Wahlkampfreden fallen nicht gerade freundlich für den Republikaner aus. Während Romney sich als Kenner der Privatwirtschaft preist, werden die Aktivitäten seines Hedge Fonds als zerstörerisch für die Realwirtschaft, die Unternehmen und ihre Mitarbeiter, aber als überaus einträglich für die Kassen der Investoren geschildert.
Über 260 Millionen Dollar Privatvermögen
Auf 264 Millionen US-Dollar wird das Privatvermögen Romneys geschätzt - ob er nicht noch wesentlich mehr Vermögen besitze und dieses außerhalb der USA in Steueroasen geparkt hat, das wisse wohl kaum jemand, heißt es in dem Film. Der von ihm mitgegründete Hedge Fonds Bain Capital mit Sitz in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts sei heute 65 Milliarden Dollar schwer. Bain Capital habe in zahlreichen Unternehmen in den USA Arbeitsplätze vernichtet, um selber mit Hilfe "befreundeter" Investmentbanken und deren Bewertungen an der Börse Geld zu scheffeln, klagt der Streifen an.
So kommt in dem Film eine Frau zu Wort, die sich als Beschäftigte in einer der von Bain übernommenen Firmen um ihren Job wiederbewerben musste und - im achten Monat schwanger - nicht mehr genommen wurde. Weiters schildert ein Mann, wie sein Betrieb nach Gehaltskürzungen letztlich in die Pleite geführt wurde und die Fabrik geschlossen wurde. Das versetzt dem Image des Republikaners als Wirtschaftsexperte einen deutlichen Kratzer. Denn die US-Wählerinnen und -Wähler reagieren erfahrungsgemäß ziemlich empfindlich, wenn Erfahrung mit der Wirtschaft Jobabbau in den Vereinigten Staaten bedeutet. Die gefährdete Stellung der USA als Wirtschaftsgroßmacht, die zunehmenden Importe aus China und Lateinamerika, die ganze Industriezweige verdrängen, die Finanzwirtschaft, welche der Realwirtschaft scheinbar über den Kopf gewachsen ist - diese Themen werden seit Jahren intensiv diskutiert.
Der Film wurde von einer Gruppierung gemacht, die Newt Gingrich, Romneys Mitbewerber um die republikanische Präsidentschaftsnominierung unterstützt. Nachdem der Film mehrfach in South Carolina gezeigt wurde, überkamen Gingrich allerdings Zweifel und er distanzierte sich von dem Streifen. An diesem wird in US-Medien u.a. kritisiert, dass sich Romney bereits 1999 aus dem Hedge Fonds zurückgezogen hat, in dem Film aber auch Übernahmen und Pleiten von Firmen geschildert werden, die nach Romneys Ausstieg erfolgten. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass der ehemalige Gouverneur von Massachusetts (2003 - 2007) auch nach seinem Ausscheiden aus Bain Capital noch immer Geld von seinem Hedge Fonds bezog.
Nur die Interessen der Aktionäre zählen
Unbestritten ist, dass Romney bei Bain Capital, einem Ableger von Bain & Company, schon früh vom klassischen Venture-Capital-Geschäft zur Unterstützung von Jungunternehmen abgekommen ist. Er wechselte zur umstrittenen Praxis der "Leveraged Buyouts": Firmen werden mit Krediten aufgekauft, das Fremdkapital wird auf den Wert und die Reserven der Firma aufgenommen. Nach einer relativ kurzen Behaltefrist, in der diese Firmen quasi den eigenen Kaufpreis finanzieren müssen und dazu oft zerstückelt oder massiv verkleinert werden, werden sie - für den Hedge Fonds meist sehr profitabel - wieder abgestoßen.
Das oberste Prinzip dieser Prozedur ist die Vermehrung des "Shareholder Value", nur die Interessen der Aktionäre stehen im Vordergrund. Die Manager der Firmen werden meist mit großen Aktienoptionen zum Mitmachen gelockt und profitieren ebenso - als Verlierer hingegen gelten oftmals die Beschäftigten.







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