Truppen-Abzug

US-Soldaten verlassen den Irak

Ausland
30.06.2009 20:12
Gut sechs Jahre nach ihrem Einmarsch im Irak haben sich die US-Streitkräfte am Dienstag vollständig aus den Städten und Dörfern des Landes zurückgezogen. Der irakische Präsident Jalal Talabani dankte den USA und ihren Verbündeten für ihren Beitrag im Kampf gegen den Terror, und dass "sie dem Irak geholfen haben, eine der abscheulichsten Diktaturen loszuwerden". Künftig sollen rund 500.000 irakische Polizisten und 250.000 Soldaten weitgehend die Verantwortung für die Sicherheit im Lande tragen. Der Abzug der US-Soldaten wurde von einem Anschlag in Kirkuk im kurdischen Norden des Landes überschattet. Dabei wurden nach Angaben der Polizei 26 Menschen getötet und 56 verletzt.

Wie aus dem Innenministerium in Bagdad verlautete, explodierte ein mit Sprengstoff präpariertes Auto auf einem Markt in Kirkuk. Die Explosion erschütterte um 18 Uhr Ortszeit das zentrale Stadtviertel Shurga und richtete großen Schaden an, wie ein AFP-Reporter berichtete. 

Talabani würdigt "Opfer" der USA
Der irakische Präsident Talabani hatte am Dienstag die von den USA erbrachten "Opfer" beim Sturz des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein im Jahr 2003 und in den Jahren danach gewürdigt. "Sie haben die Last und die Gefahren getragen im Kampf gegen das grausamste Regime und gegen den gemeinsamen Feind - den Terror", sagte er im staatlichen Fernsehen.

"Konflikt beendet"
Ministerpräsident Nuri al-Maliki kritisierte "die Skeptiker, die nicht geglaubt haben, dass die Iraker selbst für ihre Sicherheit sorgen können". Er warnte zugleich diejenigen, die von einer ewigen Besatzung des Landes ausgegangen seien, dies als Vorwand für ihren Widerstand und das Töten unschuldiger Menschen zu benutzen. "Die Terroristen greifen die Einheit des irakischen Staates und seines Volkes an. Sie versuchen, den Konflikt zwischen den verschiedenen Religionsgruppen wieder anzufachen, indem sie mal in den Vierteln der einen und mal in den Vierteln der anderen Anschläge verüben, aber Gott sei Dank ist dieser Konflikt beendet", so al-Maliki am Dienstag vor Kommandanten der irakischen Polizei und Armee. In einer Fernsehansprache sagte er: "Wer denkt, dass die Iraker nicht fähig sein werden, ihr Land zu schützen, und dass der Abzug der ausländischen Truppen ein Sicherheitsvakuum erzeugt, begeht einen großen Fehler."

Nachdem am Montagabend Zehntausende Iraker in Bagdad ausgelassen den Abzug gefeiert hatten, haben die Iraker auch am Dienstag mit Musik und nationalistischen Reden den Abzug der US-Soldaten aus ihren Städten und Dörfern zelebriert. In Bagdad wurden Süßigkeiten auf den Straßen verteilt. 

30. Juni wird nationaler Feiertag
Die Regierung hat den 30. Juni zum nationalen Feiertag erklärt. Die neue Souveränität wurde mit einem Feuerwerk begangen. Das staatliche Fernsehen zählte die letzten Minuten bis zu diesem Ereignis in einem Countdown herunter, Tausende besuchten ein Fest in einem Park der irakischen Hauptstadt. "Alle sind glücklich - Schiiten, Sunniten und Kurden", sagte einer der Festbesucher. "Die Amerikaner haben uns zu sehr beleidigt und geschadet." Zu sehen waren vor allem mit Blumen und Fahnen geschmückte Panzer. In Tikrit, der Heimatstadt von Ex-Diktator Saddam Hussein, ist für Dienstag eine große Parade der irakischen Armee geplant.

Wegen der angespannten Lage hatte die Regierung eine Urlaubssperre für die Sicherheitskräfte verhängt. In den Wochen vor dem Abzug hat die Zahl der Anschläge von Aufständischen deutlich zugenommen. Allein im Juni starben im Irak mehr als 200 Menschen bei Anschlägen.

4.300 tote US-Soldaten seit März 2003
Überschattet wurde der Abzug vom Tod von vier US-Soldaten. Die in Bagdad stationierten Soldaten seien am Montag ihren Verletzungen aus einem Gefecht erlegen, teilte die US-Armee am Dienstag mit. Am Sonntag war im Bagdader Stadtteil Sadr City ein Bombenanschlag auf eine Patrouille verübt worden. Seit dem US-Einmarsch im Irak im März 2003 wurden mehr als 4.300 Soldaten und mehrere zehntausend Iraker getötet.

Viele der insgesamt 157 Stellungen, die die US-Streitkräfte nun vollständig geräumt haben, waren bereits vor dem Stichtag übergeben worden. Die US-Truppen, die zuletzt noch in den Städten der Krisenprovinzen Ninive, Salaheddin, Tamim, Bagdad und Dijala stationiert waren, hatten gemäß dem vereinbarten Truppenabzugsabkommen bis zum Dienstag Zeit, sich auf ihre Stützpunkte außerhalb der Ortschaften zurückzuziehen.

Endgültiger Abzug bis Ende 2011
Einige US-Soldaten sollen jedoch vorerst noch in den Städten bleiben, um ihre irakischen Kollegen auszubilden. Die restlichen der noch rund 131.000 US-Soldaten im Irak sind nun auf einigen wenigen Hauptstützpunkten stationiert. In den ländlichen Regionen und in den grenznahen Gebieten setzen die US-Streitkräfte ihren Kampfeinsatz zunächst weiter fort, allerdings nur mit Zustimmung der irakischen Regierung. Bis 31. Dezember 2011 sollen dann alle US-Soldaten das Land verlassen.

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