US- Marine bleibt trotz Massaker im Irak auf freiem Fuß

25.01.2012, 07:59
US-Marine bleibt trotz Massaker im Irak auf freiem Fuß (Bild: EPA)
Foto: EPA
Eines der schlimmsten Verbrechen von US- Soldaten während des Irak- Kriegs, bei dem 24 unbewaffnete Menschen getötet wurden, ist am Dienstag mit nur drei Monaten Haft geahndet worden, die der Hauptverantwortliche jedoch nicht absitzen muss. Unteroffizier Frank Wuterich, der im November 2005 seine Untergebenen mit den Worten "Zuerst schießen, dann fragen" auf einen regelrechten Rachefeldzug schickte, hatte einem Deal mit der Anklage zugestimmt.

Bei der Urteilsverkündung am Dienstag hatte Richter David Jones bereits verkündet, dass er sich für die maximale Strafe von drei Monaten Haft aussprechen würde. Als er jedoch das Kuvert öffnete, das den ausgehandelten Deal mit der Anklage enthielt, und das Schriftstück verlas, stellte sich heraus, dass Wuterich keinen einzigen Tag im Gefängnis verbringen wird müssen. Ein bisher unbekannter Teil der Vereinbarung sah dies so vor. "Das ist offensichtlich sehr gut für Sie", erklärte Jones in Richtung Wuterich.

Der Unteroffizier wurde zusätzlich zum Gefreiten degradiert. Auf eine Kürzung von Wuterichs Lohn verzichtete der Richter mit dem Hinweis auf die Familie des Soldaten. Damit endet das Verfahren gegen jene acht US- Soldaten, die für eines der schlimmsten Kriegsverbrechen während des Krieges im Irak verantwortlich gemacht wurden. Gegen die sieben anderen Angeklagten wurde das Verfahren in den letzten Jahren entweder eingestellt oder sie wurden freigesprochen.

Stundenlanger Rachefeldzug gegen 24 Zivilisten

Das US- Magazin "Time" hatte das Massaker 2006 ans Licht gebracht. Nach dem Tod eines Kameraden war eine Gruppe Marineinfanteristen zu einem regelrechten Rachefeldzug durch die irakische Stadt Haditha gezogen. Stundenlang gingen sie von Haus zu Haus und töteten insgesamt 24 Bewohner, unter ihnen war auch ein Mann im Rollstuhl. In den USA wurde dieser Vorfall immer wieder auch mit dem Massaker von My Lai , dem wohl bekanntesten US- Kriegsverbrechen während des Vietnamkrieges, verglichen.

In einem Interview der CBS- Dokumentarsendung "60 Minutes" räumte Wuterich im Jahr 2007 ein, seinen Leuten befohlen zu haben, "zuerst zu schießen und dann zu fragen". Sein Verteidiger Haytham Faraj machte jedoch geltend, Wuterich habe mit dem Befehl keine "unrechte Absicht" verfolgt. Vielmehr habe er sicherstellen wollen, dass kein weiterer US- Soldat an dem Tag einem Anschlag zum Opfer falle.

Der Deal mit den Militäranklägern sah vor, dass sich Wuterich schuldig bekennt, im November 2005 eine "fahrlässige Amtspflichtsverletzung" begangen zu haben. Die Anklage wegen nicht vorsätzlichen Mordes - Wuterich sollte zunächst für den Tod von 19 Menschen verantwortlich gemacht werden - wurde dafür fallen gelassen. Der Unteroffizier bekannte daraufhin am Montag vor Gericht, dass er die "tragischen Ereignisse" ausgelöst habe. "Ich glaube, wir alle wussten, was wir taten. Vielleicht hätte ich einfach nichts sagen sollen", erklärte er in Bezug auf seine Anweisung vor dem Massaker.

Bestürzung im Irak: "Wieder ein barbarischer Akt"

Im Irak löste bereits das Bekanntwerden des angebotenen Deals Bestürzung aus. "Es ist wieder einmal ein barbarischer Akt der US- Amerikaner gegen uns Iraker. Zuerst lassen sie das Blut von unschuldigen Menschen fließen, und dann sprechen sie ein wertloses Urteil", erklärte etwa der sunnitische Jurist Kamil al- Dulaimi der Nachrichtenagentur AP.

Zu befürchten ist jedenfalls, dass das milde Urteil den Anti- Amerikanismus in der islamischen Welt weiter schürt. Vor allem auch in Afghanistan, wo erst kürzlich das Video, in dem US- Marines auf die Leichen von getöteten Taliban urinieren (siehe Infobox), für Entsetzen sorgte.

pim/AG
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