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US-Experten: Bin Ladens Spur "tiefgefroren"

19.08.2009, 21:39
US-Experten: Bin Ladens Spur "tiefgefroren"
Das wichtigste Ziel ihres Einmarsches in das kriegszerstörte Afghanistan, das am Donnerstag einen Präsidenten wählen soll, haben die Amerikaner bisher verfehlt. Fast acht Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist es ihnen nicht gelungen, Al- Kaida- Chef Osama Bin Laden zur Rechenschaft zu ziehen. Trotz 27 Millionen Dollar Kopfgeld, trotz des Einsatzes von Drohnen, Spezialkommandos und Geheimdiensten: Der Aufenthaltsort des meistgesuchten Terroristen der Welt bleibt ein Rätsel.

Nicht gänzlich auszuschließen ist inzwischen, dass Bin Laden am Ende triumphieren könnte. Folgt man der Argumentation des 2007 mit dem Pulitzer- Preis ausgezeichneten Buches "The Looming Tower" des amerikanischen Journalisten Lawrence Wright, so hatten die Al- Kaida- Anschläge vom 11. September 2001 das Ziel, die USA zum Einmarsch in Afghanistan zu verleiten. Bin Ladens Hoffnung: Die US- Armee werde am Hindukusch ebenso geschlagen wie einst die Briten und später die Sowjetunion. Angesichts der immer schlechteren Sicherheitslage will selbst die US- Regierung keinen Sieg Amerikas mehr vorhersagen. In ihrer Afghanistan- Strategie heißt es: "Die Gefahr des Scheiterns ist real, und die Folgen sind schwerwiegend."

Nach jahrelanger Suche nach Bin Laden und seinem Stellvertreter Ayman al- Zawahiri stehen die Fahnder der hochgerüsteten Weltmacht USA nicht nur mit leeren Händen, sondern auch ohne erfolgversprechende Spuren da. Davon zeugt ein Gesprächsvermerk aus einem Treffen in New York von US- Sicherheitsexperten, die führend mit der neuen Afghanistan- und Pakistan- Strategie der amerikanischen Regierung befasst sind. In dem Vermerk heißt es, "dass unsere besonders auf den Sieg über Al Kaida ausgerichtete Anti- Terror- Kampagne, die die unbedingte Notwendigkeit betont, Bin Laden zu fangen oder zu töten, nicht nur kalt ist, sondern tiefgefroren".

Keinerlei Erkenntnisse über Aufenthaltsort

Der in dem Papier zitierte US- Experte räumt ein, "dass wir über Jahre hinweg buchstäblich keine genauen Informationen über die physischen Aufenthaltsorte weder von Bin Laden noch von Zawahiri gehabt haben". Man verfüge auch über keine Erkenntnisse, "wie Al- Kaidas komplexes und bemerkenswert sicheres und effizientes Kommando- und Kommunikationssystem eigentlich funktioniert". Möglicherweise, so heißt es weiter, halte sich die Al- Kaida- Spitze im pakistanischen Quetta nahe der afghanischen Grenze auf.

Bin Laden und Co. könnten sich in diesem Falle in altbekannter Gesellschaft befinden: In Quetta sitzt nach Überzeugung nicht nur des afghanischen Geheimdienstes der Taliban- Führungsrat um Mullah Omar. Der ehemalige Chef der Taliban- Regierung in Afghanistan (1996 - 2001) hatte mit der Weigerung, seinen Gast Bin Laden an Amerika auszuliefern, die US- Invasion heraufbeschworen.

Versteck an Grenze Pakistan/Afghanistan?

Bin Ladens letztes bekanntes Versteck war der Höhlekomplex Tora Bora im Osten Afghanistans, unweit der Grenze zu Pakistan. Kurz nach dem Sturz der Taliban Ende 2001 gelang dem "Scheich", wie der Saudi von seinen Anhängern genannt wird, von dort aus die Flucht. Seitdem wird immer wieder spekuliert, der mehrfache Familienvater könnte im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan untergetaucht sein. Den ägyptischen Arzt Zawahiri wollen zwei Augenzeugen in diesem Frühjahr in einem Terrorcamp im pakistanischen Distrikt Swat gesehen haben.

Bin Laden imponiert mit seinem brutalen Aufbegehren gegen die Weltmacht USA nicht nur Extremisten. In einer Umfrage des amerikanischen Instituts "Terror Free Tomorrow" in Pakistan im Sommer vergangenen Jahres gaben mehr als ein Drittel der Befragten an, sie hätten eine positive Meinung von Bin Laden. Den damaligen US- Präsidenten George W. Bush hängte der Al- Kaida- Chef damit um Längen ab: Bushs Zustimmungsrate lag bei weniger als zehn Prozent.

"Er wird seiner gerechten Strafe zugeführt"

Bush war es, der kurz nach den Anschlägen in den USA über Bin Laden gesagt hatte: "Wenn er glaubt, er könne sich verstecken und vor den USA und ihren Verbündeten fliehen, dann hat er sich schwer getäuscht." Im Frühjahr 2004 wagte der US- Armeesprecher in Afghanistan dann die Prognose: "Wir sind sicher, dass wir Osama Bin Laden dieses Jahr fassen." Die Aussage sei im Überschwang getroffen worden, wiegelte die US- Regierung ab. Sie beantwortete Fragen nach Bin Laden danach mit der vagen Aussage, er werde "seiner gerechten Strafe zugeführt" werden - wann, bleibt offen...

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