Krawalle mit Polizei

Tunesien: 200 Festnahmen nach Salafisten-Protest

Ausland
20.05.2013 15:25
Nachdem sich Anhänger der radikalen Salafisten-Bewegung Ansar al-Sharia am Sonntag in Tunesien Straßenschlachten mit Sicherheitskräften geliefert hatten, sind nun 200 mutmaßliche Extremisten festgenommen worden. Das gab Regierungschef Ali Larayedh am Montag bekannt, nachdem er der Organisation am Vorabend erstmals Verbindungen zum Terrorismus vorgeworfen hatte. Bei den Ausschreitungen war mindestens ein Mensch getötet worden, 18 weitere wurden verletzt - darunter 15 Polizisten.

Auslöser der Gewalt war das Verbot eines Kongresses der islamistischen Bewegung, der eine Nähe zum Terrornetzwerk Al-Kaida nachgesagt wird. Nachdem das Treffen in der Stadt Kairouan nicht abgehalten werden durfte, hatte Ansar al-Sharia für Sonntag zu einer Versammlung im Westen von Tunis aufgerufen. 

Hunderte Anhänger der Bewegung warfen Steine und Brandsätze auf die Sicherheitskräfte. Diese setzten Tränengas ein und feuerten Warnschüsse ab. Neben der Polizei waren auch Einheiten der Armee und der Nationalgarde im Einsatz. Die staatliche Nachrichtenagentur berichtete, der 27-jährige Moez Dahmani habe an einem Protestmarsch teilgenommen und sei bei anschließenden Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gestorben. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete auch von Ausschreitungen in Kairouan. Am Montag wurden bislang keine Zwischenfälle gemeldet.

Salafisten "in den Terrorismus verstrickt"
Die tunesische Regierung warf den Salafisten erstmals Terrorverbindungen vor. Die vor zwei Jahren gegründete Organisation sei "in den Terrorismus verstrickt", sagte Regierungschef Larayedh am Sonntagabend im Staatsfernsehen. "Ansar al-Sharia ist eine illegale Organisation, die den Staat herausfordert und provoziert." Am Montag sagte er der AFP, landesweit seien 200 Verdächtige festgenommen worden. "Wer nachweislich das Gesetz gebrochen hat, wird verfolgt", sagte er.

Verwirrung herrschte am Montag über ein möglicherweise zweites Todesopfer bei den Zusammenstößen in Tunis am Sonntag. Ein Vertreter der Nationalgarde sagte, es habe zwei Tote gegeben. Das Innenministerium erklärte dagegen, der zweite Tote habe weder etwas mit den Zusammenstößen zu tun, noch mit den Salafisten. Ein Vertreter von Ansar al-Sharia sprach von zwei Toten bei den Zusammenstößen, bestritt aber ebenfalls eine Verbindung zu dem zweiten Opfer.

Salafisten von Al-Kaida unterstützt
Ansar al-Sharia hingegen wirft der Ennahda eine anti-islamische Politik vor und droht der Regierung mit "Krieg". Im Internet tauchte zudem eine Unterstützerbotschaft des Terrornetzwerks Al-Kaida auf. 

Wie das auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE am Sonntag mitteilte, forderte ein Mitglied des sogenannten Sharia-Komitees der Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) namens Abu Jahja al-Schankiti die tunesischen Salafisten auf, nicht auf die "Provokationen" der Regierung in Tunis einzugehen. Sie sollten sich "vom Regime nicht provozieren lassen" und lieber "Klugheit und Geduld" zeigen sowie die "guten Schritte, die Früchte tragen", weitergehen.

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