Haben die Hosen an

Türkei: Rockpflicht für Frauen im Parlament beendet

Ausland
12.04.2013 11:00
Im türkischen Parlament in Ankara haben Frauen ab sofort die Hosen an, wenn sie es wollen. Der Geschäftsordnungsausschuss der Volksvertretung beschloss ein Ende der bisher geltenden Rockpflicht für weibliche Abgeordnete, die seit den Anfangstagen der 1923 gegründeten Republik bestand. Weiterhin gestritten wird darüber, ob Kopftücher erlaubt sein sollen.

Türkische Politikerinnen können das Hohe Haus künftig in Jackett und Hose betreten. Der Ausschuss erfüllte mit der Änderung eine seit Jahren erhobene Forderung weiblicher Abgeordneter.

Ein Faktor bei der Entscheidung war die Wahl der beinamputierten Abgeordneten Safak Pavey ins Parlament vor zwei Jahren. Der Anblick von Paveys nackter Beinprothese unter ihrem Rock hatte damals für Schlagzeilen gesorgt und Diskussionen über eine Änderung der Geschäftsordnung ausgelöst. Pavey, die bei einem Zugunfall ein Bein und einen Arm verlor, hatte die Debatte begrüßt, zugleich aber einen offeneren Umgang der türkischen Gesellschaft mit dem Phänomen geistiger oder körperlicher Behinderungen gefordert.

Seit Jahren Streit um Kopftuchverbot
Für weit mehr Aufsehen als der Hosenstreit sorgt allerdings seit Jahren die Frage, ob Frauen im türkischen Parlament das Tragen von Kopftüchern erlaubt sein soll. Trotz zahlreicher Diskussionen und Vorschläge konnte man sich bisher nicht auf eine einheitliche Linie einigen. Ein schriftlich festgehaltenes Verbot gibt es schließlich nicht, doch säkulare Kräfte in der Türkei wie die Armee betrachten das Kopftuch als Zeichen des politischen Islam und lehnen deshalb Kopftücher in staatlichen Einrichtungen ab.

Die seit Ende 2002 regierende AKP hat diesbezüglich allerdings einen Umschwung herbeigeführt - so erschienen etwa 2012 erstmals Gattinnen hoher AKP-Vertreter mit Kopftuch bei einem Parlamentsempfang. Ende Jänner dieses Jahres kippte das Verfassungsgericht zudem das Kopftuchverbot für Anwältinnen vor Gericht - bei Richterinnen, Staatsanwältinnen sowie allen anderen Beamtinnen besteht es allerdings noch immer.

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