BP hatte vor rund einer Woche eine tonnenschwere, eigens angefertigte Kappe über dem Bohrloch installiert und lässt seither das Öl hineinströmen. Experten machen sich nun anhand des entstehenden Drucks ein Bild vom Zustand der Leitung. Bisher hat BP nach eigenen Angaben keine Hinweise für weitere Lecks in der Pipeline.
"Wir gehen immer mehr davon aus, dass die Quelle in Ordnung ist", sagte BP- Manager Kent Wells. Dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das Öl langfristig ganz zu stoppen. Erstmals seit drei Monaten strömt seit Donnerstag kein Öl mehr in den Golf von Mexiko. Sobald der Test abgeschlossen ist, wird BP wieder Leitungen anlegen, um das dann austretende Öl abzusaugen und von Schiffen an der Oberfläche abtransportieren zu lassen.
Je mehr Druck die Kappe bei den Tests aushält, desto besser: Ein hoher Druck würde signalisieren, dass die Kappe widerstandsfähig genug ist, um auch Notfälle auszuhalten, etwa wenn Absaugen und Abtransport des Öls wegen eines Hurrikans kurzzeitig abgebrochen werden müssen. Ein zu niedriger Druck würde darauf hindeuten, dass die Leitung bei der Explosion der Plattform Deepwater Horizon Schaden genommen hat und es noch mehr Lecks gibt, über die Öl oder Gas austritt.
Doch auch wenn der Test erfolgreich abgeschlossen wird - das Versiegeln der leckgeschlagenen Leitung wird Experten zufolge erst im August über die geplanten Entlastungsbohrungen vonstattengehen. Hierfür soll das Öl aus der Pipeline umgeleitet und der defekte Teil mit Schlamm und Beton zementiert werden. Eine strukturell intakte Pipeline würde das Vorhaben erfolgsversprechender machen.
Seit der Explosion und dem Untergang der Deepwater Horizon vor elf Wochen flossen Tag für Tag schätzungsweise 8.200 Tonnen Rohöl ins Meer. Die US- Golfküste ist streckenweise verseucht. Es handelt sich um die schwerste Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Nach zwei Rückschlägen vor Gericht verhängte die US- Regierung Anfang der Woche ein neues Verbot für Öl- Tiefseebohrungen. Angesichts der verheerenden Ölpest sei ein Moratorium angebracht, um Menschen und die Natur an der Küste vor den Gefahren neuer Tiefseebohrungen zu schützen, ordnete Innenminister Ken Salazar am Montag an. Das Moratorium soll zunächst bis Ende November gelten.
Zuvor war die Regierung mit einem ersten sechsmonatigen Verbot in zwei Gerichtsinstanzen gescheitert. Die Richter bemängelten, der Schritt sei nicht ausreichend begründet. Vertreter der Ölbranche waren gegen die staatlich verhängte Zwangspause vor Gericht gezogen.