Die Planungen für Sejong City begannen 2002 unter dem liberalen Politiker Roh Moo- Hyun, der sich dadurch Stimmen aus der Provinz Chungcheong - wo die Stadt errichtet werden sollte - bei der Präsidentschaftswahl erhoffte. Roh setzte sich tatsächlich an die Spitze des Staates, und das Projekt nahm konkrete Konturen an: Benannt nach jenem König, der im 15. Jahrhundert das koreanische Alphabet entwickelte, sollte die rund 120 Kilometer von der bisherigen Hauptstadt entfernt liegende Stadt die Mega- Metropole Seoul mit ihren über zehn Millionen Einwohnern entlasten.
Auf Druck der Opposition musste der ehrgeizige Plan, eine echte neue Hauptstadt aus dem Boden zu stampfen, allerdings bald wieder fallen gelassen werden. 2004 urteilte das Verfassungsgericht, dass die wichtigsten Ministerien und das Parlament auch weiterhin in Seoul ansässig sein müssten. Sejong City wurde allerdings nicht vollkommen aufgegeben, sondern sollte eine auf administrative Aufgaben spezialisierte Stadt werden - quasi eine "Mini- Hauptstadt".
Einen weiteren Rückschlag erlitt der Plan im Jahr 2008, als der konservative Präsident Lee Myung- Bak, ein bekennender Gegner des Projekts, die Macht übernahm. Lee wollte Sejong City weiter degradieren und lediglich als Wissenschafts- und Bildungsstandort etablieren. Rebellen in seiner eigenen Partei verhinderten dies allerdings, an der "Zwei- Hauptstädte- Lösung" wurde weiter festgehalten.
Zu den schärfsten Kritikern des Projekts zählt auch der renomierte Wirtschaftsprofessor Cho Dong Keun von der Myongji- Universität in Seoul. "Sejong City wird als kolossales Desaster in Erinnerung bleiben, geschaffen von populistischen Politikern, die Angst hatten, 'Nein' zu sagen", hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Die Aufteilung der Regierungsaufgaben werde dazu führen, dass viel Zeit durch Reisen verpuffen würde. Die Effizienz bei wichtigen Entscheidungsfindungen würde darunter massiv leiden.
Aber auch bei den Planungen für die Stadt sei einiges schiefgelaufen: So fehlten etwa die nötigen Freizeit- und auch Bildungseinrichtungen, wodurch die Beamten ihre Familien in Seoul lassen und am Wochenende zu ihnen pendeln würden. Der wirtschaftliche Effekt auf die Region wird daher laut Cho bedeutend geschmälert. Von den Politikern ist er jedenfalls enttäuscht: "Diese Herren erklären, dass man zu einem Versprechen, das einmal gegeben wurde, stehen müsse. Wenn aber dieses Versprechen dumm, unrentabel und lediglich zum Wählerfang bestimmt ist, dann ist es besser, dieses zu brechen, als daran festzuhalten."
Am Sonntag wird die mittlerweile auf 120.000 Einwohner angewachsene Stadt jedenfalls formal eingeweiht, am Montag folgt noch eine Zeremonie durch Premierminister Kim Hwang- Sik. Bis 2015 werden 16 Ministerien und 20 Regierungsstellen hier ihre Arbeit aufnehmen, dann soll die Bevölkerungsanzahl bereits etwa 150.000 Menschen betragen. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte - so die Hoffnung - wird die Stadt weiter wachsen (2020: 300.000 Einwohner, 2030: 500.000 Einwohner) und der Region wichtige Impulse verleihen - Experten sprechen hier aber lediglich von "feuchten Träumen". Selbst offizielle Stellen bezweifeln mittlerweile, dass die hoch angesetzten Wachstumsziele jemals Realität werden.