Kampf gegen Krise

Strauss-Kahn und Gusenbauer sehen schwarz für Europa

Ausland
23.05.2013 17:26
Dominique Strauss-Kahn (re. im Bild) ist nicht gut auf Europa zu sprechen. "Die goldenen Zeiten Europas sind vorbei", sagte der Ex-Chef des IWF am Donnerstag bei einem Wirtschaftsforum in Kasachstan. Er erwarte keine wirklichen Lösungen für die Krise in Europa. Der frühere SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer (li.), der aktuell unter anderem auch den kasachischen Präsidenten berät, schloss sich der Kritik des über eine Sex-Affäre gestürzten Franzosen "weitgehend an".

Europa habe nicht das Rüstzeug, um mit der Krise fertigzuwerden, sagte Strauss-Kahn beim Astana Economic Forum. Und zwar "weder intellektuell, noch institutionell". Zu lange habe man in Europa geglaubt, zu wissen, wie Wirtschaft funktioniert. Allerdings hatte kaum ein Land Erfahrungen mit vergleichbaren Krisen, so der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, der 2011 nach einem später von der Staatsanwaltschaft fallengelassenen Vorwurf der versuchten Vergewaltigung zurückgetreten war.

DSK: "EU-Versagen in der Krise ist auch meine Schuld"
Strauss-Kahn war in den späten 1990er-Jahren Frankreichs Finanzminister und als Politiker auch in die Gestaltung der Europäischen Union involviert. "Das institutionelle Versagen der EU in der Krise ist auch meine Schuld", gab sich der Franzose selbstkritisch. Bei den Verhandlungen mit Deutschland zum Euro-Stabilitätspakt habe politisches Hick-Hack eine institutionelle Koordination der Fiskalpolitik verhindert. Ein folgenschwerer Fehler, so Strauss-Kahn.

Gusenbauer wenig optimistisch
Auch Alfred Gusenbauer klang wenig optimistisch. "Selbst wenn Strauss-Kahn unrecht behält und die Wirtschaft in Europa wieder wächst: Die Jugendarbeitslosigkeit wird sich so nicht in den Griff kriegen lassen", so der Ex-Kanzler. In Ländern, in denen jeder zweite oder dritte junge Mensch ohne Arbeit sei, werden ein paar Prozent Wachstum nicht ausreichen, gab er zu bedenken.

"Müssen eine verlorene Generation verhindern"
Gusenbauer nahm zugleich die Politik in die Pflicht. Ziel müsse sein, eine "verlorene Generation" zu verhindern. "Was wären wir für eine Gesellschaft, die so etwas zulässt?" Wenn der Markt keinen Job für Junge zur Verfügung stelle, könne man nicht einfach sagen: Pech gehabt, so der Ex-Kanzler. Konkrete Lösungsvorschläge blieb er allerdings weitgehend schuldig. So habe sich zwar das österreichische System mit dualer Ausbildung für Lehrlinge bewährt - eins zu eins übertragen lasse es sich deshalb aber nicht, schränkte Gusenbauer ein.

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