Tausende bei Demos

Spanien: “Von der Empörung zur Rebellion”

Ausland
13.05.2013 12:37
"Wir gehen, aber wir kommen wieder." Mit diesen Worten verabschiedeten sich vor knapp zwei Jahren die Sprecher der spanischen Protestbewegung der "Empörten", nachdem die Polizei nach wochenlangen Demonstrationen die Protestcamps auf der zentralen Puerta del Sol in Madrid zwangsräumen ließ. Nun hat sich die Protestbewegung wieder zurückgemeldet.

Am Sonntag gingen landesweit Tausende Spanier aus Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die Sparpolitik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy auf die Straße. In rund 20 Städten fanden Protestkundgebungen statt, die größte und symbolträchtigste in Madrid. Die Kundgebung stand unter dem Motto "Von der Empörung zur Rebellion".

Ein wenig an Mobilisierungskraft eingebüßt
Die Protestbewegung scheint zum zweiten Jahrestag allerdings an Mobilisierungskraft verloren zu haben. An den drei Protestmärschen, die auf der Puerta del Sol zusammentrafen, beteiligten sich mit einigen Tausend Demonstranten weitaus weniger "Empörte" als noch vor zwei Jahren. Dennoch trat die Protestbewegung nun strukturierter und mit klareren Forderungen auf. So riefen auch verschiedene Gruppen und Initiativen zur Protestbeteiligung am Sonntag auf, die sich in den vergangenen zwei Jahren nach Auflösung der Protestcamps der "Empörten" gebildet hatten.

Die Proteste gruppierten sich in unterschiedlichen Sektoren. So protestierten Ärzte, Krankenschwestern und Pflegepersonal gegen die empfindlichen Kürzungen und Massenentlassungen im staatlichen Gesundheitssystem und die Privatisierung von Spitälern. Lehrer, Schüler und Studenten stimmten Protestgesänge gegen den Kahlschlag im öffentlichen Bildungssystem an. Bankenopfer versammelten sich ebenso wie die Opfer von Zwangsräumungen und Hypotheken-Opfer. Auch gab es Gruppen, die gegen die geplante Gesetzesreform der Regierung protestierten, welche die von der sozialistischen Vorgängerregierung liberalisierten Abtreibungsregeln wieder verschärfen soll.

Thema Nummer eins bleibt Wirtschaftskurs der Regierung
Gemeinsam protestierten die Spanier vor allem aber gegen den eingeschlagenen Wirtschaftskurs der Regierung. "Die Regierung spart und spart. Die Rotstiftpolitik funktioniert aber nicht. Vor zwei Jahren waren es 4,5 Millionen Arbeitslose, heute sind es bereits sechs Millionen. Wir haben immer mehr Gründe, um auf die Barrikaden zu gehen", sagte ein Protestsprecher am Rande der Demonstration dem Radiosender Cadena Ser.

Unterdessen nannte Carlos Estevez von der Plattform spanischer Hypothekenopfer die knapp 350.000 Zwangsräumungen, die seit dem Ausbruch der Krise 2008 in Spanien von den mit Milliarden von Steuergeldern geretteten Banken durchgeführt wurden, einen Grund mehr, auf die Straße zu gehen. Allein im vergangenen Jahr wurden fast 50.000 Zwangsräumungen vollstreckt, weil die Wohnungsinhaber die Raten der Bankdarlehen nicht zahlen konnten. Einige Betroffene nahmen sich aus Verzweiflung gar das Leben.

Neue Protestformen entwickelt
Auch eine neue Protestform, welche die Hypothekenopfer in den vergangenen Wochen in Spanien ins Leben gerufen haben, wurde auf der Kundgebung von Tausenden wieder vermehrt gefordert - und zwar "Escraches". Das sind Protestaufmärsche vor den Wohnungen und Arbeitsstellen der Regierungspolitiker. Damit wollten die Hypothekenopfer die Politiker unter Druck setzen, um ein neues Hypothekengesetz zu verabschieden, dass verarmten Familien mehr Schutz vor den Banken gibt.

Ob in Zukunft nun auch andere Initiativen diese radikale und von der Regierung mit "Nazi-Methoden" verglichene Protestform übernehmen, bleibt abzuwarten. Einig waren sich die Demonstranten am Sonntag jedoch darüber, dass sich in Spanien etwas ändern muss, damit es nicht zum Aufstand kommt. So hielten Protestler immer wieder Plakate gegen die in Spanien zunehmende Korruption von Politikern, gegen die strikte Sparpolitik und gegen das politische System in die Luft. "Unser Kampf geht weiter. Wir sind zurück. Es gibt viel zu tun", rief ein Protestsprecher in die Menge und erhielt begeisterten Beifall.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
13.05.2013 12:37
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung