Willkommen | Registrieren | Hilfe | Login
krone.at/Videos kronehat.at krone.at/mobil cookingstars.at

Simon Wiesenthal beigesetzt

23.09.2005, 15:07
Simon Wiesenthal beigesetzt
Wenige Minuten nach zwölf Uhr Ortszeit (11.00 MESZ) begann am Freitag das Begräbnis von Simon Wiesenthal in der Trauerhalle des zentralen Friedhofs von Herzliya. Die mehreren Hundert Trauergäste wurden vom Rabbi per Lautsprecher mit den Worten "Gott, die Gerechtigkeit geht vor Dir" zum Gebet gerufen.

Der Leichnam Wiesenthals wurde ohne Sarg, nur in einen weißen jüdischen Gebetsmantel gehüllt, aufgebahrt, während die hebräischen Trauergesänge und Gebete gesprochen wurden. Kunststaatssekretär Franz Morak, der die Bundesregierung vertrat, sagte am Rande des Begräbnisses: "Er war einer von uns."

"Wiesenthal", meinte Morak, "hat für Österreich gearbeitet, indem er unseren Blick geschärft hat". "Simon Wiesenthal wurde zu einem unbestechlichen Sucher der Wahrheit. Er wurde in Österreich zu einem unermüdlichen Einzelkämpfer, getrieben nicht vom Gefühl der Rache, sondern von der Gewissheit, dass nur die Wahrheit die Grundlage für eine dauerhafte Aussöhnung schaffen kann."

Lange Zeit sei Wiesenthal in seinem eigenen Land auf Unverständnis gestoßen und auch zum Gegenstand innenpolitischer Anfeindungen und Verleumdungen geworden. "Es dauerte lange, bis in Österreich seine Verdienste ihre gerechte Würdigung erfuhren". Durch sein Wirken hat Wiesenthal eine wesentliche Voraussetzung dafür geschaffen, dass Österreich seit Mitte der 90iger Jahre - spät, aber doch - begonnen hat, aktiv seine nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten", unterstrich der Staatssekretär.

Kulturstadtrat Mailath- Pokorny würdigte den "Nazi- Jäger" in seiner Rede bei den Begräbnisfeierlichkeiten als "eine Sorte von Mensch, die es so selten gibt: Hart in der Sache, verbindlich im Ton."

Der offizielle Vertreter Israels, der für die Diaspora zuständige stellvertretende Minister im Premiersamt, Michael Melchior, würdigte Wiesenthal mit den Worten: "Jeder Verbrecher, auch jene, die nicht gefasst wurden, wusste, dass da einer unermüdlich nach ihnen suchte." Wiesenthal wird seine letzte Ruhestätte im allerersten Grab gleich nach dem Haupteingang des Friedhofes finden.

Wiesenthal habe sein Leben dem Kampf gegen eine Wiederholung des Horrors der Vergangenheit gewidmet, erklärte der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon laut israelischen Medien. Den Berichten zufolge hat der Regierungschef wegen Sicherheitsbedenken auf eine Teilnahme an der Bestattung verzichtet.

Foto: EPA

Lesezeichen hinzufügen:
Schließen
Lesezeichen Drucken
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Meistkommentiert
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; 1190 Wien, Muthgasse 2
Krone Multimedia © 2011 Krone.at | Impressum