Brutales Vorgehen
Sicherheitskräfte stürmen Perlenplatz in Bahrain
Die Sicherheitskräfte waren in Panzern, Truppentransportern und Bussen vorgefahren und feuerten Dutzende Tränengas-Granaten ab, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Protestierenden warfen Benzinbomben auf die Polizisten. Augenzeugen berichteten von Explosionen, die zu hören waren. Viele Demonstranten, die seit Wochen auf dem Platz ausharren, flohen in die Vororte von Manama.
Bei den Auseinandersetzungen dürften mehrere Menschen verletzt worden sein, zwei Polizisten kamen sogar ums Leben. Kurz vor der Stürmung des Platzes hatten führende schiitische Geistliche des Golf-Emirats die internationale und muslimische Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Den Demonstranten drohe ein "Massaker", warnten die schiitischen Würdenträger.
Opposition spricht von "Vernichtungskrieg"
Die Opposition spricht angesichts des harten Vorgehens der Regierung gegen Demonstranten von einem "Vernichtungskrieg". "Das passiert noch nicht einmal im wirklichen Krieg und ist nicht akzeptabel", sagte ein hochrangiger Vertreter der schiitischen Opposition, Abdel Jalil Khalil. Die Einsatzkräfte würden nicht nur die Menschen vom Perlenplatz in der Hauptstadt Manama vertreiben, die Truppen seinen zudem ins ganze Land ausgeschwärmt und sperren dort Straßen ab. Wer versuche, die Straßen dennoch zu überqueren, werde erschossen oder festgenommen, so der Politiker.
USA und EU rufen zu Zurückhaltung auf
Die US-Regierung erklärte, für den Konflikt in Bahrain gebe es "keine militärische Lösung". Notwendig sei eine politische Lösung durch den Dialog aller Beteiligten, sagte ein Sprecher in Washington. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, Bahrain müsse zu diesem Zweck "jetzt" handeln.
Die EU forderte die Truppen des Golfkooperationsrats auf, das Demonstrationsrecht der Bevölkerung zu achten. "Wir sind sehr besorgt angesichts der Berichte über schwere Gewalt auf den Straßen Bahrains", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Konfliktparteien ebenfalls zur Zurückhaltung auf.
Regierung verhängte Ausnahmezustand
Seit Wochen protestieren Vertreter der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen die sunnitische Herrscherdynastie. Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen waren am Dienstag mindestens zwei Menschen getötet worden, die Regierung hatte zuvor den Ausnahmezustand verhängt, der zunächst für drei Monate gelten soll.
Zur Unterstützung des bedrängten Herrscherhauses entsandte der Golfkooperationsrat rund Tausend saudi-arabische Soldaten und 500 Polizisten der Vereinigten Arabischen Emirate nach Bahrain.
Die Sicherheitskräfte von Bahrain werden von Sunniten kontrolliert, nach den Schiiten die zweite große Glaubensrichtung des Islam. Auch das Königshaus ist sunnitisch. Die Demonstranten sind überwiegend Schiiten, die 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie werfen den sunnitischen Machthabern Diskriminierung vor. Damit unterschieden sich die Proteste in Bahrain von den Volksaufständen in anderen arabischen Staaten.







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