"Bitte um Gnade"

Serbien: Präsident entschuldigt sich für Srebrenica

Ausland
25.04.2013 12:26
Der serbische Präsident Tomislav Nikolic, ein früherer Ultranationalist, hat sich am Donnerstag für alle während des Bosnien-Krieges in den Jahren 1992 bis 1995 an Bosniaken (bosnische Muslime, Anm.) begangenen Verbrechen entschuldigt. Zugleich relativierte er allerdings erneut den in der UNO-Schutzzone Srebrenica von bosnisch-serbischen Truppen verübten Völkermord. "Der Genozid muss erst bewiesen werden", so Nikolic in einem Gespräch mit dem staatlichen bosnischen TV-Sender BHT.

"Ich knie und bitte um Gnade für Serbien wegen der Verbrechen, die in Srebrenica begangen wurden", fügte Nikolic hinzu und kündigte einen baldigen Besuch in der ostbosnischen Kleinstadt an. Alles, was im ehemaligen Jugoslawien passierte, trägt Genozid-Merkmale", erklärte der Präsident.

Präsident bittet um Verzeihung für serbische Verbrechen
Nach der Einnahme der UNO-Schutzzone durch bosnisch-serbische Truppen waren in der Umgebung der Kleinstadt im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Männer und Jugendliche brutal ermordet worden. Nikolic entschuldigte sich für Verbrechen, die im Namen Serbiens und der Serben durch Einzelpersonen begangen wurden.

Im vorigen Sommer sorgte Nikolic für negative Reaktionen, als er vom "schweren Verbrechen" in Srebrenica sprach. Er berief sich später auf eine Erklärung des serbischen Parlamentes, in welcher vor einigen Jahren das Massaker von Srebrenica verurteilt und in welcher ebenfalls der Begriff Völkermord vermieden worden war.

Massaker in Srebrenica von UNO als Völkermord definiert
Der Internationale Gerichtshof hatte in einem Urteil auf Basis einer Klage Bosnien-Herzegowinas das Massaker im Jahr 2008 als Völkermord definiert. Serbien war gleichzeitig der Verantwortung dafür freigesprochen worden. Die Berufungsfrist in diesem Fall läuft bis 2014. Vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien wurden mehrere ehemalige bosnisch-serbische Offiziere wegen Völkermordes in Srebrenica verurteilt.

Nikolic setzte sich als Anhänger des Haager UNO-Angeklagten Vojislav Seselj in den 90er-Jahren für ein Großserbien ein. Seselj soll als Agitator und Anführer mehrerer serbischer paramilitärischer Einheiten gewesen sein. Diesen Einheiten werden zahlreiche Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo zur Last gelegt.

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