"Es gibt Anzeichen"

Seoul: Nordkorea bereitet womöglich neuen Atomtest vor

Ausland
08.04.2013 10:52
Nordkorea rüstet sich nach Angaben der südkoreanischen Regierung womöglich für einen neuen Atomtest. Es gebe "Anzeichen", dass die kommunistische Führung in Pjöngjang mit der Vorbereitung beschäftigt sei, sagte am Montag Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae in Seoul. Nordkorea hatte erst im Februar zum dritten Mal eine Atomwaffe getestet und damit neue Spannungen auf der koreanischen Halbinsel ausgelöst, die sich seitdem stetig verschärfen.

Südkoreas Vereinigungsminister Ryoo äußerte sich bei einer Anhörung in einem Parlamentsausschuss. Konkretere Angaben wollte der Minister in der Öffentlichkeit nicht machen, er verwies auf die Notwendigkeit der Geheimhaltung.

Das Verteidigungsministerium in Seoul wiederum relativierte die Angaben Ryoos am Montagvormittag und erklärte, dass ihrer Einschätzung nach der vierte Atomtest vermutlich noch nicht kurz bevorstehe. "Wir haben keine ungewöhnlichen Schritte registriert, die auf einen Atomtest hindeuten", so ein Sprecher des Ministeriums. 

Starke Zunahme der Aktivitäten an Atomtestgelände
Die Tageszeitung "JoongAng Ilbo" berichtete dagegen am Montag unter Berufung auf Geheimdienstberichte, dass es seit vergangener Woche eine starke Zunahme der Aktivitäten am Atomtestgelände Punggye Ri im Nordosten Nordkoreas gebe. "Wir beobachten die Situation ganz genau. Sie ist sehr ähnlich der Situation, wie sie vor dem dritten Atomtest war", zitierte die Zeitung einen hochrangigen Regierungsbeamten, der anonym bleiben wollte. Ihm zufolge war zunächst nicht klar, ob es sich wirklich um die Vorbereitungen für einen neuen Test handle - "oder ob sie einfach nur den Druck auf uns und die USA verstärken wollen".

In Punggye Ri hatte Nordkorea - nach 2006 und 2009 - Mitte Februar trotz internationaler Warnungen zum dritten Mal eine Atomwaffe getestet. Daraufhin verschärfte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen das isolierte Land. Seitdem sprach Pjöngjang immer neue Drohungen vor allem gegen die USA und Südkorea aus. Erst am vergangenen Donnerstag erklärte die nordkoreanische Armee, ein Atomangriff auf die USA sei ab sofort genehmigt (siehe Infobox).

Raketen in Position – Süden rechnet mit Test am Mittwoch
Zudem verlegte Nordkorea inzwischen zwei Mittelstreckenraketen an seine Ostküste und installierte sie auf mobilen Abschussrampen. Sie könnten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge jedes Ziel in Südkorea und Japan und möglicherweise sogar den US-Stützpunkt auf der Insel Guam im Pazifik erreichen.

Japan erklärte angesichts eines möglichen Raketentests, dass die Armee angewiesen sei, jede in Richtung Japan fliegende nordkoreanische Rakete sofort abzuschießen. Den entsprechenden Befehl habe Verteidigungsminister Itsunori Onodera gegeben, sagte am Montag ein Ministeriumssprecher in Tokio.

Der nationale Sicherheitsberater von Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye äußerte am Montag die Vermutung, dass der Norden noch in dieser Woche einen Raketentest vornehmen könnte. Dieser könnte um den Mittwoch herum und damit zum Ende des Ultimatums Nordkoreas an ausländische Botschaften erfolgen, sagte Kim Jang Soo. Nordkorea hatte allen Botschaftern geraten, bis zum 10. April das Land zu verlassen – andernfalls könne nicht mehr für ihre Sicherheit garantiert werden (siehe Infobox). Ungeachtet dieser Warnung beschlossen alle Länder am Wochenende, ihr diplomatisches Personal vorerst nicht abzuziehen.

Nordkorea zieht Arbeiter aus Industriekomplex Kaesong ab
Auch in der von Nord- und Südkorea gemeinsam betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong spitzt sich die Lage weiter zu. Nachdem am Wochenende bereits mehrere Firmen ihre Produktion unterbrechen mussten, da Pjöngjang Pendlern und Lieferanten den Zutritt verweigert hatte, kündigte Nordkorea nun den Abzug seiner 53.000 Arbeiter in Kaesong an. "Wir werden alle unsere Arbeiter aus dem Industriekomplex abziehen", erklärte ein ranghoher Beamter am Montag. Demnach werde der Komplex anschließend vorübergehend geschlossen.

Chinas Führung: "Kein Land darf die Welt ins Chaos stürzen"
Indes warnte China angesichts der täglich neuen Drohungen aus Nordkorea die Führung in Pjöngjang am Sonntag in ungewöhnlich scharfer Form vor einer weiteren Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Keinem Land dürfe erlaubt werden, eine Region oder gar die ganze Welt aus selbstsüchtigen Motiven ins Chaos zu stürzen, sagte Chinas Präsident Xi Jinping bei einer Versammlung, ohne Nordkorea direkt beim Namen zu nennen. Diplomaten wie der frühere US-Botschafter in China, Jon Huntsman, nannten die Aussagen Xis beispiellos. China verliere demnach offenbar die Geduld mit seinem Verbündeten.

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