Das überschuldete Euro-Land Zypern war in einer dramatischen Nachtsitzung der Euro-Finanzminister vor einer Staatspleite bewahrt worden. Zur Rettung der Mittelmeerinsel werden Gläubiger und Kunden der beiden größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und der Popular Bank, viel Geld verlieren - die genaue Summe ist noch unklar.
Fix ist aber, dass Sparer mit Einlagen von bis zu 100.000 Euro nicht zur Sanierung des Landes und seiner Kreditinstitute beitragen müssen. Laut der Einigung mit den Geldgebern Zyperns wird die Popular Bank, die zweitgrößte Bank des Landes, zerschlagen. Einlagen über 100.000 Euro werden in einer Bad Bank angesiedelt, wo sie vermutlich verloren sind, kleinere Guthaben sollen an die Bank of Cyprus übergehen.
Auch bei der Bank of Cyprus, bei der besonders viele ausländische Kunden Geld lagern, werden Sparer mit über 100.000 Euro zur Kasse gebeten. Die Guthaben werden eingefroren, um die Einhebung einer Abgabe von rund 30 Prozent zu gewährleisten.
Russen stehen erhebliche Verluste ins Haus
Ein Großteil der betuchten Bankkunden der Insel sind Russen - die naturgemäß wenig erfreut über die jüngsten Beschlüsse zur Rettung der Mittelmeerinsel sind. In zypriotischen Banken lagern nach den jüngsten Berechnungen der Ratingagentur Moody's russische Guthaben mit einem Nominalwert von rund 24 Milliarden Euro.
Russlands Ministerpräsident Medwedew reagierte angesichts der zu erwartenden Verluste für Anleger seines Landes mit Empörung über den Rettungsplan. Er sprach von "Diebstahl" und forderte: "Wir müssen herausfinden, was diese Geschichte auf die Dauer bringt." Es müsse "untersucht" werden, was die Beschlüsse für "Auswirkungen auf das internationale Finanzsystem" hätten, so Medwedew.
EU-Binnenmarktkommissar hebt Schutz der Sparer hervor
Anders EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier: Er begrüßte die Lösung der Euro-Gruppe für die Rettung Zyperns und betonte zugleich den Schutz der Sparer. "Nie und nirgends in Europa darf der Schutz der Sparer unter 100.000 Euro in Frage gestellt werden", erklärter er. Die nun vereinbarte Restrukturierung der zypriotischen Banken "wird schmerzhaft sein, aber es ist sichergestellt, dass die Anleger bis 100.000 Euro ungeschoren bleiben", bekräftigte auch Finanzministerin Maria Fekter.
Fekter sieht in dem Beschluss für das Zypern-Rettungspaket den Garant dafür, dass "wieder Vertrauen in die Stabilität der Euro-Zone" bestehe. Außerdem werde das Vertrauen, "das wir vorige Woche ein bisschen beschädigt haben, wieder zurückkehren", sagte sie. Jedenfalls werde es einen "massiven Haircut der Beteiligten und Gläubiger" geben, um auf die geforderte Eigenkapitalquote von neun Prozent bei der Bank of Cyprus kommen zu können.
Merkel und Van Rompuy loben Hilfsmaßnahmen
Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel begrüßte die zur Rettung Zyperns beschlossenen Hilfsmaßnahmen. Bei der jetzt getroffenen Übereinkunft handle es sich um ein tragfähiges und sachgerechtes Programm, das den notwendigen Umbau des zypriotischen Bankensektors einleite, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin mit. Ebenfalls voll des Lobes war EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy: "Die Vereinbarung ist wesentlich, um eine nachhaltige Zukunft für Zypern in der Euro-Zone zu sichern". "Wir haben eine Lösung mit allen Partnern über die Schlüsselelemente erreicht", betonte Van Rompuy.
Einige Banken öffnen Dienstag wieder
Wie am frühen Montagabend bekannt wurde, sollen die Bank of Cyprus und die Popular Bank bis Donnerstag geschlossen bleiben. Die restlichen Finanzinstitute werden aber bereits am Dienstag wieder ihre Schalter öffnen, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zypriotische Zentralbankkreise.
Bankangestellte hatten am Wochenende aber zur Vorsicht gemahnt, die Geldhäuser könnten nicht so auf "die Schnelle" wieder geöffnet werden. Erst müsse die Zentralbank Zyperns den Banken die genauen Einschränkungen für den Zahlungsverkehr vorgeben. Wichtig dabei sei zu wissen, wie viel Geld jeder Kunde am Tag und im Monat werde abheben können, hieß es. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen und dadurch das ganze System zusammenbricht.
Putin ordnet jetzt doch Hilfe an
Vielleicht in der Hoffnung, doch noch Geld seiner Landsleute ins Trockene zu retten, kündigte Kreml-Chef Wladimir Putin indessen am Montag an, dass Russland nun doch einen Beitrag zur Rettung Zyperns leisten wolle. Putin habe die russische Regierung angewiesen, die Bemühungen der Euro-Gruppe zu unterstützen, teilte sein Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax mit. Dabei geht es um die "Umstrukturierung" des 2011 ausgezahlten Kredits von 2,5 Milliarden Euro.
Die Umstrukturierung solle nun doch erfolgen, hieß es am Montag aus Moskau, nachdem Verhandlungen zwischen Nikosia und dem Kreml in der Vorwoche gescheitert waren. Ziel müsse sein, die Krise in der Wirtschaft und im Bankensystem des Inselstaates zu überwinden, so Peskow.
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