4,5 Millionen für Sex

“Ruby”-Prozess: Berlusconi drohen sechs Jahre Haft

Ausland
13.05.2013 17:17
Die Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini hat am Montag im Rahmen des "Ruby"-Prozesses sechs Jahre Haft für Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi gefordert. Sie verlangte weiters einen lebenslangen Ausschluss Berlusconis aus allen öffentlichen Ämtern. Berlusconi habe der damals 17-jährigen Marokkanerin Karima El Marough alias "Ruby Herzensbrecherin" im Jahr 2010 4,5 Millionen Euro für Sex gezahlt, so Boccassini.

Die Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi Amtsmissbrauch und Sex mit einer Minderjährigen vor. Dass es zu sexuellen Handlungen zwischen Berlusconi und der Marokkanerin gekommen sei, sei laut Boccassini "unbestreitbar". Die Millionensumme, die der Medienzar für die Dienste der heute 20-Jährigen gezahlt habe, sei durch abgehörte Telefongespräche und Bewegungen auf Berlusconis Bankkonten belegt. Der Mitte-rechts-Politiker habe außerdem "genau gewusst", dass seine Gespielin minderjährig war, als er mit ihr Sex hatte.

Amtsmissbrauch habe der Medienzar begangen, indem er "Ruby" im Frühjahr 2010 mit einem Anruf in Mailand vor Schwierigkeiten mit der Justiz bewahren wollte. Die junge Frau war wegen Diebstahls angezeigt worden. Berlusconi rechtfertigte sich damit, dass er sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak gehalten habe. Er habe durch die Intervention "internationale diplomatische Verwicklungen vermeiden wollen", so Berlusconi. Boccassini bezeichnete die Darstellung des Angeklagten als "total unglaubwürdig".

"Prostitutionssystem zur Befriedigung des Ex-Premiers"
Der Ex-Premier steht außerdem wegen falscher Aussagen vor Gericht am Pranger. Zudem soll er Zeugen zu Falschaussagen gezwungen haben. Darunter seien laut Boccassini auch einige junge Frauen, die an den umstrittenen Partys in der Villa Berlusconis beteiligt waren. Laut Boccassini sei dort ein "Prostitutionssystem zur Befriedigung des Ex-Premiers" aufgebaut worden. "Es bestehen keine Zweifel, dass 'Ruby' eine Prostituierte war." Insgesamt fordert die Staatsanwaltschaft fünf Jahre Haft wegen Amtsmissbrauchs und ein weiteres wegen der Sex-Affäre.

"Ruby" sei laut der Staatsanwältin ein "intelligentes und schlaues Mädchen", das wie viele Jugendliche ins Showbusiness einsteigen wollte. Die Marokkanerin, die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, sei ein "Opfer eines negativen Erfolgstraums" gewesen.

Berlusconi-Anwalt: Strafforderung "absolut unbegründet"
Am 3. Juni soll die Verteidigung zu Wort kommen. Berlusconis Anwalt Nicolo Ghedini bezeichnete die Strafforderung am Montagabend als "sehr hoch" und "absolut unbegründet". Ein Urteil in dem seit mehr als zwei Jahren laufenden Prozess soll am 24. Juni fallen. Erst in der vergangenen Woche war Berlusconi wegen Steuerbetrugs in zweiter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt worden (siehe Infobox).

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