Tote und Verletzte
Riesige Explosion erschüttert Texas: “Wie im Krieg”
Der Chef des lokalen Rettungsdienstes, George Smith, hatte gegenüber dem US-Sender CBS zunächst von 60 bis 70 Toten gesprochen. Offiziell bestätigt wurde diese Bilanz jedoch nicht, die Polizei sprach Donnerstagmittag von fünf bis 15 Toten und mindestens 160 Verletzten. Die meisten Opfer seien Feuerwehrleute und Rettungssanitäter.
Auch Smith relativierte seine Aussagen später: Die 60 Toten seien eine "sehr ungenaue Schätzung, die ich von den Feuerwehrleuten bekommen habe. Wir wissen es noch nicht genau. Zwei Notfallhelfer sind tot, das wissen wir, und es könnten auch drei Feuerwehrleute ums Leben gekommen sein."
Nach Angaben des Bürgermeisters der betroffenen Ortschaft West gut 30 Kilometer nördlich von Waco, Tommy Muska, wurden bei dem Unglück bis zu 80 Häuser zerstört (Bilder in der Infobox). In einem Umkreis von fünf Häuserblocks um die Fabrik gebe es schwere Schäden, sagte Muska dem Sender CNN. Betroffen seien auch eine Schule und ein Altersheim.
"Es sieht aus wie im Krieg"
"Es sieht aus wie im Krieg. So viel Zerstörung habe ich noch nie gesehen", berichtete der Sheriff des Bezirks McLennan, Parnell McNamara. Bürgermeister Muska pflichtete ihm bei: "Es war, als hätte eine Atombombe eingeschlagen. Wir haben hier eine Menge Leute, die verletzt sind, und es gibt andere, von denen ich sicher bin, dass sie morgen nicht mehr da sind."
Auch erfahrene Retter waren schockiert: D. L. Wilson, der Sprecher der texanischen Sicherheitsbehörde, zeigte sich erschüttert von dem Bild, das sich ihm vor Ort bot: "Es war gewaltig, genau wie im Irak. Da war ein Gebäude mit ungefähr 50 Wohneinheiten - es stand da wie ein Skelett", schilderte Wilson.
Amateuraufnahmen zeigen die massive Wucht der Detonation (siehe Video in der Infobox). Die Erschütterung war so heftig, dass sie einem Erdbeben der Stärke 2,1 entsprach. Der Knall soll noch in 75 Kilometern Entfernung zu hören gewesen sein.
Erst Brand, dann Explosion
Zu der verheerenden Explosion war es gegen 19.30 Uhr Ortszeit gekommen, als zahlreiche Feuerwehrleute einen zuvor ausgebrochenen Brand löschten. Gewaltige Stichflammen schossen in den Himmel. Auf einem nahe der Fabrik gelegenen Sportplatz wurde ein Erstversorgungszentrum eingerichtet. Krankenwagen und Hubschrauber brachten die Verletzten in umliegende Kliniken.
Da sich auf dem Gelände noch ein zweiter Tank befindet, wurden die Bewohner von West aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Rund die Hälfte der 2.800 Einwohner sei evakuiert worden, berichtete CNN. Die Hubschrauberpiloten mussten wegen einer befürchteten zweiten Explosion eine Mindestflughöhe einhalten.
Abgeordneter glaubt nicht an Anschlag
Der US-Abgeordnete Bill Flores, in dessen Wahlkreis sich die Explosion ereignete, wies Spekulationen über einen möglichen Anschlag zurück. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich um Sabotage gehandelt hat", sagte er.
"Ich habe keine Hinweise gehört, dass das hier etwas anderes war als ein Unfall oder ein Feuer", sagte auch Patrick Swanton von der Polizei. "Aber bis das sicher ist, ermitteln wir wie bei einem Verbrechen."
Jahrestag von Sektentragödie
Die Explosion ereignete sich nur einen Tag vor dem 20. Jahrestag der Sektentragödie von Waco. 81 Menschen waren am 19. April 1993 im Anwesen der "Davidianer-Sekte" gestorben, nachdem die US-Polizei das Gelände nach 51 Tagen Belagerung stürmte. Vermutlich legten die Sektenmitglieder das Feuer selbst. Die Behörden wollten die Betroffenen aus der Gewalt des selbst ernannten Propheten David Koresh befreien, der seine Anhänger dazu gezwungen hatte, nach seinen Regeln zu leben.
Die US-Sicherheitsbehörden sind derzeit bekanntlich in besonderer Alarmbereitschaft. Erst am Montag starben bei einem Anschlag auf den traditionsreichen Marathon in der Ostküstenmetropole Boston drei Menschen, 180 weitere Personen wurden verletzt (siehe Infobox). Der Hintergrund der Tat ist weiterhin unklar, die Polizei konnte mittlerweile zwei Verdächtige ausfindig machen.
Kurz nach dem Anschlag trafen in Washington zudem zwei mit dem tödlichen Gift Rizin präparierte Briefe ein, die an einen republikanischen Senator und US-Präsident Barack Obama adressiert waren (Infobox). In diesem Fall nahm die Polizei am Mittwochnachmittag in der Stadt Corinth im Bundesstaat Mississippi einen Verdächtigen fest.







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