Pleite unabwendbar?
Ratingagentur S&P torpediert Griechen-Rettung
Erst am Wochenende hatten sich Griechenlands Euro-Partner endgültig darauf verständigt, dem Land eine weitere Milliarden-Tranche zur Begleichung seiner Außenstände zur Verfügung zu stellen. Und das zweite Hilfspaket, das bis zu 120 Milliarden Euro schwer sein soll, soll in zentralen Punkten bis September stehen. Doch die renommierte Ratingagentur Standard & Poor's denkt gar nicht daran, ihren skeptischen Kurs zu ändern. Die Firma, auf deren Bonitäts-Urteile sich ganze Branchen verlassen, droht, Griechenland wie einen Bankrotteur zu beurteilen.
Auslöser dafür sind die Pläne Frankreichs und Deutschlands, die die Gläubiger griechischer Staatsanleihen, die bis 2014 fällig werden, an der Rettung beteiligen wollen. "Das würde aber nach unseren Kriterien einen Zahlungsausfall bedeuten", schreibt S&P - und zwar deswegen, weil die Gläubiger Verluste hinnehmen müssten.
Finanzmärkte werden nervös
Die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands könnte eine Kettenreaktion auslösen, die andere Euro-Länder und den internationalen Finanzmarkt in Mitleidenschaft ziehen könnte. An den Märkten, die schon aufgeatmet hatten, weil eine Staatspleite abgewendet schien, griff nach der Stellungnahme von S&P am Montag jedenfalls Verunsicherung um sich. Bankaktien gaben nach, Kreditausfallversicherungen für Griechenland verteuerten sich.
Die Äußerung von S&P wurde von manchen Akteuren allerdings nur als Warnung und nicht als Absage verstanden: "Das ist eine wichtige Wegweisung", sagte ein Sprecher des deutschen Landesbanken-Verbandes VÖB. Die frühzeitig geäußerten Bedenken würden den deutschen Instituten dabei helfen, den Vorbehalten von S&P Rechnung zu tragen. Kotthaus sagte: "Wie finden wir ein Modell, das möglichst wenig Nebenwirkungen hat?" Deutsche Banken und Versicherer sollen 3,2 Milliarden Euro beisteuern.
UniCredit: "S&P legt übermäßig technisch aus"
Auch für die einzelnen Banken hätte die von S&P angedrohte Einstufung griechischer Anleihen als "selective default" Konsequenzen: Dann würden Kreditausfallversicherungen fällig und die Banken müssten die Papiere abschreiben. "Eine Einigung ist für Europa unerlässlich, und nicht nur für Europa", betonte der Chef der italienischen Bank UniCredit, Federico Ghizzoni, die sich auch an dem Plan beteiligen will. Er hofft auf einen Sinneswandel der Ratingagentur: "Wollen wir hoffen, dass das nicht passiert", sagte er. S&P lege die Angelegenheit "übermäßig technisch" aus.
Die Ratingagentur stellte eine rasche Neueinschätzung der griechischen Staatspapiere nach einer Umschuldung in Aussicht. Das könnte wenigstens den griechischen Banken selbst helfen. "Wenn die Frist kurz ist, bekämen wir keine Refinanzierungsprobleme", sagte ein hochrangiger griechischer Banker. Die Institute sind derzeit in großem Maßstab von der Europäischen Zentralbank abhängig. Die EZB akzeptiert Staatsanleihen als Sicherheiten - im Mai stützten griechische Banken ihre Refinanzierung zu fast einem Fünftel auf die EZB. S&P hatte das Rating für Griechenland vor Kurzem von "B" auf "CCC" gesenkt.
OeNB-Chef Nowotny kritisiert Ratingagenturen
Der Chef der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, kritisierte unterdessen die Ratingagenturen wegen ihrer strengen Vorgaben für die Griechenland-Hilfe. Ihm sei aufgefallen, dass die Firmen in dieser europäischen Angelegenheit "sehr viel strikter und aggressiver sind als bei ähnlichen Fällen in Südamerika", meinte der OeNB-Gouverneur Montagabend in der "Zeit im Bild 2".
Im jüngsten Fall spricht Nowotny von einer "schwierigen Diskussion" mit den Ratingagenturen, da diese auch teilweise Verzichte als Ausfall werten würden. Überhaupt gebe es eine "eigenartige Situation". Die Banken selber wären nämlich durchaus bereit, sich an der Rettung zu beteiligen, weil sie Interesse an der Stabilität Griechenlands hätten.
Ob die nach dem positiven Votum des griechischen Parlaments zum Sparpaket der Regierung freigegebenen Hilfen für Athen letztlich erfolgreich sein werden, wollte Nowotny nicht beurteilen.







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