Nach "Höllenfahrt"

Putzfrau raste mit Zug in Wohnhaus: “Ich lache darüber”

Ausland
04.04.2013 16:04
Sie war mit einem führerlosen Zug in ein Wohnhaus gerast, wurde dabei schwer verletzt und galt zunächst als Schuldige an dem Unglück nahe der schwedischen Hauptstadt Stockholm: Jetzt hat sich die junge Putzfrau nach ihrer "Höllenfahrt" erstmals zu Wort gemeldet. "Ich will nicht zornig sein. Man kann im Nachhinein nur darüber lachen. Die haben sich einfach lächerlich gemacht", sagte die 22-Jährige am Donnerstag in Richtung des Bahnbetreibers, der fälschlicherweise behauptet hatte, die Frau habe den Zug - möglicherweise in Selbstmordabsicht - gestohlen.

"Ich wollte meine Geschichte hier und jetzt erzählen", brach die junge Frau im Interview mit der Gewerkschaftszeitung "Sekotidningen" ihr Schweigen. Die Schwedin hatte Mitte Jänner nachts im Bahndepot von Saltsjöbaden, südöstlich von Stockholm, einen abgestellten Triebwagen gereinigt, der sich plötzlich in Bewegung setzte. Sie habe zunächst den Zündschlüssel zu drehen versucht und sich dann einen möglichst sicheren Platz für den unausweichlichen Aufprall gesucht, schilderte die 22-Jährige nun die dramatischen Ereignisse.

"Hatte begriffen, dass es Richtung Hölle geht"
"Ich hatte begriffen, dass es Richtung Hölle ging", fand sie starke Worte, um ihre unfreiwillige nächtliche Zugfahrt zu beschreiben. Der führerlose Zug raste dann mit 80 Stundenkilometern in ein Wohnhaus (siehe Infobox). Während die Putzfrau erst nach zwei Stunden schwer verletzt befreit werden konnte - sie erlitt mehrere Knochenbrüche und eine Lungenverletzung -, blieben die Bewohner des Hauses bei dem Unglück unversehrt. 

Bahnbetreiber musste Anschuldigungen zurücknehmen
Noch während die schwer verletzte Putzfrau im Krankenhaus unter Vollnarkose stand, hatten der private schwedische Bahnbetreiber Arriva und die staatliche Aufsichtsbehörde SL der 22-Jährigen die Schuld an dem Unfall gegeben, spekulierten gar über Selbstmordabsichten als Motiv für den vermeintlichen Diebstahl des Zuges. Allerdings mussten sie die über Medien verbreiteten Anschuldigungen gegen die Frau zurücknehmen, als amtliche Untersuchungen schwere Sicherheitsmängel ans Licht brachten.

"Anderer Einblick in Sicherheit am Arbeitsplatz"
Die Staatsanwaltschaft erklärte die junge Frau schließlich ausdrücklich für frei von jedem Verdacht und leitete stattdessen Ermittlungen gegen Verantwortliche des Bahnbetreibers ein. In dem Interview sagte die 22-Jährige, sie habe durch ihre Erfahrung einen "anderen Einblick" darin gewonnen, wie es um Sicherheit am Arbeitsplatz bestellt sei und wie das Rechts-, sowie das Gesundheitswesen und die Gewerkschaften funktionieren. Medien warf sie vor, unkritisch die Behauptungen der Bahnbetreiber verbreitet zu haben.

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