Pussy Riots: Mit Mörderinnen in derselben Baracke

18.08.2012, 09:35
Pussy Riots: Mit Mörderinnen in derselben Baracke (Bild: AP/EPA)
Foto: AP/EPA
Mit einem "Punkgebet" kurz vor der Präsidentenwahl in Russland haben sie im Februar in einer Kirche gegen den heutigen Staatschef Wladimir Putin protestiert - am Freitag sind die drei Musikerinnen der Band Pussy Riot wegen "Rowdytums" zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden (siehe Infobox). Und das bedeutet: Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch werden sich mit Mörderinnen und Diebinnen in Baracken mit bis zu 120 Frauen wiederfinden.

Während es für verurteilte Männer in Russland eine ganze Reihe von Straflagern und Gefängnistypen gibt (im Bild rechts die Einfahrt einer Strafkolonie nahe St. Petersburg im Jahr 2007), sieht der russische Strafvollzug für Frauen nur eine Art von Straflager vor. Die Frauenlager bestehen aus Schlafräumen für die Gefangenen, Verwaltungsgebäuden und einem Arbeitsbereich. Die Komplexe sind mit Zäunen, Stacheldraht und Wachtürmen von der Außenwelt abgeriegelt.

Wiederholungstäterinnen und erstmals Verurteilte werden in unterschiedlichen Lagern festgehalten. Untergebracht sind die Frauen in den meisten Fällen in Baracken mit 100 bis 120 Gefangenen.

Harter Gefängnisalltag

Der Tag beginnt um 6 Uhr, anschließend müssen sich die Häftlinge draußen zum Durchzählen versammeln. Nur wenn die Temperaturen unter minus 30 Grad fallen, findet die Zählung drinnen statt.

Bekleidet sind die Häftlinge mit grünen Uniformen, auf denen ihr Name prangt. Persönliche Kleidung ist verboten. Ein Mal pro Monat dürfen die Frauen telefonieren, wobei das Gespräch auf maximal 15 Minuten begrenzt ist. Im Gegensatz zu männlichen Gefangenen dürfen Frauen aber eine unbegrenzte Zahl an Paketen erhalten.

Normale, erleichterte und strenge Unterbringung

In jedem Frauenlager gibt es drei Unterbringungsformen: normal, erleichtert und streng. Im normalen Strafvollzug dürfen die Frauen pro Jahr sechs kurze Besuche (bis zu vier Stunden) erhalten sowie vier lange Besuche (bis zu drei Tage). Für die langen Besuche steht den Gefangenen und ihren Besuchern wie Ehemann oder Eltern ein separater Raum zur Verfügung. Besuche von Nicht- Familienmitgliedern müssen von der Gefängnisverwaltung genehmigt werden.

Weniger als die Hälfte der Frauen geht im Lager einer Arbeit nach. Wer arbeitet, kann zwischen 25 und 50 Euro im Monat verdienen. Die Arbeit besteht in der Regel darin, Uniformen für die Gefängnisverwaltung, die Armee oder das Innenministerium zu nähen. Für die Frauen, deren Verhalten gut bewertet wird, gilt der sogenannte erleichterte Strafvollzug. So können die Gefangenen ohne Einschränkungen Produkte im Lager kaufen und bekommen zwei zusätzliche lange Besuche gewährt.

Die strenge Unterbringungsform wird drei Monate lang für die Frauen verhängt, die gegen Regeln verstoßen haben. Dazu zählt etwa der Konsum von Alkohol und Drogen, Ungehorsam oder Beleidigung von Gefängnisbeamten. Die Frauen werden dann isoliert, dürfen nur einmal pro Tag für eineinhalb Stunden nach draußen und keine Telefonate führen oder Besuche empfangen.

Frauen werden in beliebige Lager gesteckt

In Russland sitzen derzeit rund 59.000 Frauen ein. Frauen aus Moskau werden nicht zwangsläufig in Lagern nahe der Hauptstadt inhaftiert, sondern können sich Hunderte Kilometer entfernt wiederfinden.

AG/red
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