Kurz vor Urteil

Pussy-Riot-Fans vor Kathedrale in Moskau verhaftet

Ausland
15.08.2012 16:54
Wenige Tage vor der Urteilsverkündung im Fall der russischen Punkband Pussy Riot hat die Moskauer Polizei am Mittwoch vier Unterstützer der Künstlerinnen verhaftet. Die Sympathisanten müssten sich wegen einer illegalen Kundgebung vor der Moskauer Erlöserkathedrale in Kürze vor Gericht verantworten, teilten die Behörden mit. Im Prozess gegen die Musikerinnen wegen einer Kreml-kritischen Performance in der Kathedrale wird am Freitag das Urteil erwartet.

Etwa 20 Unterstützer von Pussy Riot hielten auf den Stufen der Erlöserkathedrale Buchstaben in die Höhe, die zusammen den Bibelspruch "Selig sind die Barmherzigen" (Bild 2) ergaben. Die Demonstranten waren mit den für die Band typischen bunten Sturmhauben maskiert. Daraufhin griff der Sicherheitsdienst der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche ein und hielt mehrere Teilnehmer fest, bis die Polizei eintraf.

Auch weltweit wächst der Protest gegen den umstrittenen Prozess. So veröffentlichte die kanadische Sängerin Peaches ein in Berlin gedrehtes Video mit dem Titel "Free Pussy Riot" (Freiheit für Pussy Riot). Eine von der Künstlerin initiierte Petition zur Freilassung der Musikerinnen haben bereits 95.000 Menschen unterzeichnet.

Festnahme auch am Lenin-Sarkophag
Bei einem weiteren Vorfall in Moskau im Mausoleum von Sowjetführer Lenin auf dem berühmten Roten Platz nahm die Polizei bereits am Dienstag einen Mann fest, der am Sarkophag des Revolutionärs Kopien von Pussy-Riot-Fotos auf den Boden geworfen hatte. Der 50-Jährige wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, wie die Agentur Interfax unter Berufung auf den Sicherheitsdienst meldete.

Nach einem "Punk-Gebet" in der Erlöserkathedrale gegen Staatschef Wladimir Putin und Patriarch Kyrill am 21. Februar drohen den drei Pussy-Riot-Mitgliedern mehrere Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Rowdytum aus religiösem Hass vor. Die Organisation Amnesty International hat die jungen Frauen, von denen zwei Mütter sind, als politische Gefangene anerkannt. Putin hatte zuletzt das zuständige Moskauer Gericht aufgefordert, ein nicht allzu hartes Urteil zu fällen. Die Staatsanwaltschaft hingegen fordert drei Jahre Straflager für den knapp einminütigen Auftritt.

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