Extrem brutal

Piraten schlagen vermehrt vor Westafrika zu

Ausland
19.06.2013 12:08
War Piraterie der Öffentlichkeit bisher vor allem als Problem an der Ostküste Afrikas, insbesondere Somalias, bekannt, liegt die Zahl der Angriffe an der Westküste inzwischen höher, wie aus einem Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros hervorgeht. Oft komme es dabei zu extremer Gewalt, so die Abteilung für Kriminalität auf See der Internationalen Handelskammer.

Im vergangenen Jahr seien 966 Seeleute vor der Westküste und 851 vor der Ostküste Afrikas angegriffen worden, heißt es im Bericht "The Human Cost of Maritime Piracy 2012", den das Internationale Schifffahrtsbüro (International Maritime Bureau) mit Anti-Piraterie-Organisationen erarbeitet hat. Dennoch werde der Region des Golfs von Guinea nicht die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wie Somalia. 

Nigerias Öltanker als Goldgrube
Die westafrikanischen Piraten hätten es vor allem auf Erdöl, das auf dem Schwarzmarkt viel Geld einbringt, und Besitztümer der überfallenen Crews abgesehen. Die größte Gefahr drohe in den Gewässern vor Nigeria, dem größten Land und Erdölproduzenten der Region. Da die Regierung es verabsäumte, genügend Raffinerien zu errichten, sind die Gewässer rund um das Land voller Erdöltanker ein schier endloses Geschäft für Piraten, berichtet die BBC.

Brutale Ex-Milizionäre vor Westküste
Den Kriminellen komme in Nigeria außerdem zugute, dass sich Geld viel schneller verschieben lasse als in Somalia, gab ein Seemann im Bericht zu Protokoll. Laut BBC hat sich so eine gut organisierte Industrie des Erdöl-Diebstahls entwickelt. Dahinter steckten oft ehemalige Mitglieder der Miliz "Movement for the Emancipation of the Niger Delta", die immer wieder Anschläge auf Ölplattformen in Nigeria verübten und auf Öldiebstahl spezialisiert sind. Sie gelten als besonders brutal - von 206 Geiseln wurden fünf im letzten Jahr vor Westafrika getötet, heißt es im Bericht.

Positive Nachrichten aus Somalia
Um die Piraten vor West- wie Ostküste effektiv zu bekämpfen, sei Zusammenarbeit an Land und auf See nötig, so das Internationale Schifffahrtsbüro. Zudem müssten alternative Jobmöglichkeiten für die Piraten geschaffen werden. Immerhin hat der Bericht auch Erfreuliches zu vermelden: Die Piraterie vor Somalia hat im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 78 Prozent abgenommen. Das liege vor allem an bewaffneten Sicherheitskräften an Bord der Schiffe und der verbesserten Ausbildung von Kapitänen und Crew. Allerdings würden noch immer 78 Geiseln von somalischen Piraten gefangen gehalten.

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