Schwerer Vorwurf

Obama befahl laut Autor Stuxnet-Angriff auf den Iran

Web
01.06.2012 10:35
Neuen Zündstoff in der ohnehin schon angespannten Beziehung zwischen den USA und dem Iran liefert ein neues Buch des "New York Times"-Chefkorrespondenten David E. Sanger, das die Zeitung am Freitag in Auszügen veröffentlichte. Sanger behauptet darin, dass US-Präsident Obama persönlich die Attacken mit dem Computerwurm Stuxnet auf iranische Atomanlagen befahl. Als die Öffentlichkeit im Sommer 2010 von Stuxnet erfuhr, habe Obama die Geheimaktion mit dem Codenamen "Olympic Games" sogar noch beschleunigt, so der Vorwurf.

Sanger beruft sich in seinen Aussagen auf Informationen aus Sicherheitskreisen. Zu seinen Quellen gehören eigenen Angaben zufolge auch Personen, die bei einem Krisentreffen unmittelbar nach der Entdeckung des Computerwurms Stuxnet anwesend waren. "Sollten wir die Sache jetzt stoppen?", habe Obama dort gefragt. 

Da aber unklar gewesen sei, wie viel die Iraner über die schädliche Software wussten, sei beschlossen worden weiterzumachen. In den Wochen darauf sei die iranische Atomfabrik in Natanz mit einer neueren Version von Stuxnet angegriffen worden und dann mit einer weiteren. Die letzte Attacke habe rund 1.000 der damals 5.000 Zentrifugen zur Urananreicherung zeitweilig außer Betrieb gesetzt.

Erster gezielter Cyber-Angriff
Stuxnet war ein hoch entwickelter Computerwurm, der ausschließlich Siemens-Industriesysteme in der für Atomzentrifugen typischen Konfiguration angriff. Ziel war das Siemens-System Simatic S7, das in Industrieanlagen zur Überwachung und Steuerung technischer Prozesse verwendet wird. 

Die Konfiguration von Stuxnet ließ Experten von Anfang an vermuten, dass der Iran das Ziel gewesen sein dürfte. Außerdem argumentierten sie, die Software sei so komplex und aufwendig geschrieben, dass sie nur das Werk westlicher Geheimdienste sein könne.

Wirkung umstritten
Die Auswirkungen der Cyberangriffe seien umstritten, schreibt Sanger, der eineinhalb Jahre für das Buch recherchierte. Im Weißen Haus gehe man davon aus, dass das iranische Atomprogramm um 18 bis 24 Monate zurückgeworfen worden sei. Andere Experten sind skeptischer und glauben, dass die iranischen Wissenschaftler die Anreicherung wieder schnell hochgefahren haben und das Land heute über genug Material für fünf oder mehr Atomwaffen verfügen könnte.

Obama wollte israelischen Angriff auf den Iran verhindern
Obama sei bewusst gewesen, dass er mit der Aktion eine neue Art vor Kriegsführung entfesseln könne, heißt es unter Berufung auf Teilnehmer der geheimen Treffen. Seine Sorge sei gewesen, dass mit dem amerikanischen Eingeständnis von Cyberattacken auch andere Länder oder Terroristen dazu greifen könnten. Zugleich habe er gehofft, mit den Computerangriffen einen israelischen Militärangriff auf den Iran verhindern zu können, der einen großflächigen Regionalkonflikt zur Folge haben könnte.

"Obama hat jeden Schritt persönlich autorisiert"
Das Cyberwar-Programm sei noch zu Zeiten von Obamas Vorgänger George W. Bush aus der Taufe gehoben worden. Erst in der Amtszeit des aktuellen Präsidenten seien aber amerikanische und israelische Computerexperten mit der Entwicklung des komplexen Wurms fertig geworden. Obama habe das Programm betreut und jeden weiteren Schritt persönlich autorisiert, schreibt Sanger.

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