Nun auch herber Rating- Rückschlag für Spanien

26.06.2012, 07:53
Video: APA
Neuer Rückschlag für Spanien: Die Ratingagentur Moody's hat am späten Montagabend auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 28 Geldhäusern im Land herabgestuft. Um bis zu vier Stufen ging es für einzelne Kreditinstitute nach unten - ein ungewöhnlich tiefer Fall. Am Montag hatte die Regierung in Madrid offiziell Hilfen aus dem Euro- Rettungsfonds für die notleidende Finanzbranche beantragt.

Moody's begründete die Entscheidung mit den zu erwartenden steigenden Verlusten aus der Immobilienkrise sowie der gesunkenen Kreditwürdigkeit Spaniens insgesamt. Der Staat sei nicht mehr alleine in der Lage, der Finanzbranche zu helfen.

Arbeitslosenrate bei über 24 Prozent

Die Banken des Landes befinden sich nach dem Platzen einer Immobilienblase in einer schwierigen Situation. Die spanische Wirtschaft schrumpfte zu Jahresbeginn das zweite Quartal in Folge, womit das Land sich wieder in der Rezession befindet. Die Arbeitslosenrate liegt derzeit bei mehr als 24 Prozent.

Das Langfristrating der Großbank Banco Santander wurde auf "Baa2" von "A3" reduziert und darüber hinaus auf eine weitere Herabstufung geprüft. Die Kreditwürdigkeit des Geldhauses liege eine Stufe über dem "Baa3"- Rating der spanischen Staatsanleihen, schrieben die Experten von Moody's.

Moody's teilt seit Februar kräftig aus

Moody's hatte Mitte Juni mit dem in der Finanzbranche befürchteten Rundumschlag begonnen. Im Februar hatte die Ratingagentur erklärt, wegen der lahmen Wirtschaft und der Flaute auf den Kapitalmärkten 114 Banken und Versicherer zu überprüfen. Moody's hatte das Vorhaben unter anderem mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa und den schlechten Aussichten auf den Kapitalmärkten begründet.

Eine schlechtere Bonität kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Bei Banken kann eine Herabstufung das Vertrauen der Geschäftspartner erschüttern, womit den Instituten lukrative Geschäfte entgehen können.

Bis zu 100 EU- Milliarden für Madrid

Am Montag hatte Spanien offiziell Finanzhilfen der Euro- Zone beantragt. Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos nannte in einem Brief an Euro- Gruppen- Chef Jean- Claude Juncker aber keine genaue Summe, die das Land für den angeschlagenen Bankensektor braucht. Spaniens Zentralbank hatte vor wenigen Tagen einen Bedarf von bis zu 62 Milliarden Euro genannt. Die Euro- Länder hatten Madrid zuvor eine Unterstützung von bis zu 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt - siehe auch Story in der Infobox.

Auch Zypern unter Rettungsschirm

Auch die Regierung Zyperns stellte am Montag einen offiziellen Antrag auf Finanzhilfen der Euro- Zone. Die Finanzhilfen sollten die Risiken des angeschlagenen Finanzsektors für die zypriotische Wirtschaft "zügeln", hieß es in dem Antrag. Es war aber zunächst nicht klar, ob Zypern - wie Spanien - die Hilfen nur für seinen Bankensektor benötigt. Juncker erklärte am Montagabend, die Euro- Gruppe werde das Hilfsgesuch rasch untersuchen. Zypern ist das fünfte Land, das unter den Euro- Rettungsschirm flüchtet.

AG/red
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