Nach AKW- Unfall: Japan produziert wieder Atomstrom

05.07.2012, 12:33
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Erstmals seit der Katastrophe in Fukushima vor gut 15 Monaten produziert Japan wieder Atomstrom. Der Reaktor 3 im Atomkraftwerk Oi begann um 7 Uhr Ortszeit wieder mit der Erzeugung von Strom, wie der Betreiberkonzern Kansai Electric am Donnerstag bekannt gab. Unterdessen kam eine Untersuchungskommission des japanischen Parlaments in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht zu dem Schluss, dass die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vermeidbar gewesen wäre.

Die Erinnerungen an Fukushima sind in Japan noch kaum verblasst, der Protest gegen AKWs dementsprechend laut - dennoch bezieht das Land seit Donnerstag wieder Atomstrom. Ausschlaggebend dafür waren die wiederholten Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor drohenden Stromausfällen in der Industrieregion Osaka.

Regierungschef Noda entschied deshalb, die Reaktoren 3 und 4 im Kraftwerk Oi nach Sicherheitsüberprüfungen wieder hochzufahren.

Stromengpässe verringert

Man werde die Produktion im Reaktor 3 erhöhen und voraussichtlich ab kommenden Montag wieder mit voller Kapazität Strom erzeugen, hieß es. Reaktor 4 werde dann voraussichtlich am 18. Juli hochgefahren. Das Wiederanfahren des 1,18- Millionen- Kilowatt- Reaktors Nummer 3 wird den im Hochsommer bei Kansai Electric erwarteten Strommangel in der Region um die Industriestadt Osaka von 14,9 Prozent auf 9,2 Prozent verringern, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Kritiker warnen jedoch vor der Gefahr erneuter schwerer Erdbeben. Zudem seien die Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi bis heute nicht unter Kontrolle. Die Regierung sei in der Lage, eine nochmalige Katastrophe wie in Fukushima zu verhindern, versicherte indes Regierungschef Noda.

Bericht zeigt: "Fukushima- Unglück war vermeidbar"

Doch dabei drängt sich die Frage auf, warum das Unglück am 11. März 2011 nicht verhindert wurde? Ein am Donnerstag vorgelegter Bericht einer Untersuchungskommission des Parlaments zeigt, dass die Katastrophe zwar vom Erdbeben und Tsunami ausgelöst worden war. Dennoch hätte "der folgende Unfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi nicht als ein Naturdesaster angesehen werden müssen. Es war ein schwerwiegendes Desaster von Menschenhand", hieß es in dem Bericht.

Die Behauptung des Betreiberkonzerns Tepco, der Tsunami und nicht das Erdbeben sei an dem Unfall in Fukushima schuld gewesen, wies die unabhängige Untersuchungskommission ebenfalls zurück. Der Unfall sei "vorhersehbar und vermeidbar" gewesen. Die Katastrophe sei das Ergebnis der Freunderlwirtschaft zwischen der Regierung, der Atomaufsicht und Tepco. Obwohl allen das Risiko bekannt gewesen sei und man gewusst habe, dass das AKW nicht den Sicherheitsanforderungen entspreche und einem solchen Erdbeben und Tsunami nicht standhalten konnte, sei nichts unternommen worden.

Viele Vorwürfe gegen Tepco und Zentralregierung

Schwere Vorwürfe erhob die Kommission zudem gegen Tepco: Der Betreiber habe seine Mitarbeiter weder ausreichend auf Unfälle vorbereitet und geschult, noch habe es ausreichend klare Anweisungen an Ort und Stelle zum Zeitpunkt der Katastrophe gegeben.

Die Situation habe sich danach auch deshalb weiter verschlimmert, weil das Krisensystem der Zentralregierung in Tokio und den betroffenen Behörden versagt habe, heißt es in dem Bericht weiter. Die jeweiligen Verantwortlichkeiten und Aufgaben seien unklar gewesen. Zudem hätten es die Aufsichtsbehörden jahrelang versäumt, geeignete Maßnahmen für solche Krisenfälle einzuführen, was zu dem Chaos bei der anschließenden Evakuierung der betroffenen Menschen beigetragen habe.

So seien viele Bewohner erst spät über den Unfall informiert worden, andere seien in Gebiete evakuiert worden, die stärker verstrahlt waren als ihre Heimatorte. "Die Zentralregierung war nicht nur langsam bei der Meldung des Unfalls bei der örtlichen Regierungen, sondern versäumte es auch, die Schwere des Unfalls zu vermitteln", urteilte die Untersuchungskommission.

AG/red
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