Gegen Regierung
Marlboro-Hersteller setzt auf versteckte Nachrichten
Wer in Großbritannien eine Schachtel Marlboro kauft, findet darin verschiedene Nachrichten, die alle auf die Website der Philip-Morris-Kampagne Know-more.co.uk verweisen. Dort werden Raucher und Zigarettenverkäufer dazu aufgerufen, sich gegen verschiedene geltende und angeblich geplante Gesetze sowie deren Auswirkungen zu wehren.
So wird auf der Website etwa beklagt, Großbritannien habe die zweithöchste Tabaksteuer der EU, geschätzte 75 Prozent des Preises einer Schachtel Zigaretten gingen an den Staat. Zudem wird die Angst geschürt, das Rauchverbot könne von öffentlichen Orten wie Restaurants, Pubs und Büros ausgeweitet werden. Belege dafür liefert die Website allerdings nicht.
Einheitliche Verpackungen als rotes Tuch
Ein weiterer Dorn im Auge ist Philip Morris die Überlegung des britischen Gesundheitsministeriums, einheitliche Verpackungen für alle Zigarettenmarken einzuführen. Wie etwa in Australien (siehe Infobox) wären dann verschiedene Warnhinweise und drastische Bilder auf den Packungen zu sehen und diese abgesehen vom Markennamen nicht voneinander zu unterscheiden. Es gebe aber keinen Hinweis darauf, dass solche einheitlichen Verpackungen mehr Rauchern beim Aufhören helfen oder jugendliche Raucher abhalten würden, so die Website.
Zudem werde dieser Plan das "ernste Schwarzmarkt-Tabakproblem verschlimmern" und die Steuerzahler so "Milliarden" kosten. Neben entgangenen Steuereinnahmen durch Schmuggel bestehe die Gefahr der Beimischung giftiger Stoffe in die Zigaretten, wenn alle Verpackungen gleich aussehen würden, behauptet Know-more.co.uk.
Lobbying-Spezialisten sollen helfen
Die Nachrichten sollen einen Monat lang in Marlboro-Schachteln zu finden sein. Die Idee stammt von Democracy Data & Communications Advocacy, einer großen US-Lobbying-Firma, die sich auf derartige versteckte Aktionen spezialisiert hat, wie der "Guardian" berichtet. Das Unternehmen habe in den USA auf diese Weise mehrmals für das rechte Lager politische Propaganda betrieben.
Dass Philip Morris nun zu einem solchen Mittel greife, zeige, wie viel Angst das Unternehmen vor einheitlichen Verpackungen habe, so Martin Dockrell der Nonprofitorganisation Action on Smoking and Health gegenüber dem "Guardian". Die Website solle den Anschein erregen, unabhängige Informationen zu bieten, um Raucher für die eigene Sache zu rekrutieren. Doch Philip Morris ist mit seinen Bemühungen nicht allein: Zigarettenriese Gallaher - unter anderem Hersteller von Camel und Benson & Hedges - etwa hat in den letzten Monaten immer wieder Anzeigen geschaltet, in denen das Vorgehen der britischen Regierung rund um das Thema Zigaretten und Raucher kritisiert wurde.







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