Neuer Präsident

Malediven: Polizeiputsch im Urlauberparadies

Ausland
07.02.2012 12:58
Am Dienstag ist es auf den Malediven zu einem Polizeiputsch gekommen. Der Präsident des Inselstaates, Mohammed Nasheed (Bild links), verkündete seinen Rücktritt. Nasheed sagte in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung, es sei "in der derzeitigen Situation besser, dass ich zurücktrete". Bereits wenige Stunden später wurde Vizepräsident Mohammed Waheed Hassan (Bild rechts) als sein Nachfolger vereidigt. Auf den Straßen der Hauptstadt Malé kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Militär.

Bereits seit Wochen hatte es immer wieder Proteste gegen den Präsidenten und seine Regierung gegeben. Am Dienstag brachten meuternde Polizisten nach Angaben von Medienvertretern das Staatsfernsehen unter ihre Kontrolle. Sie riefen die Bevölkerung zu Demonstrationen gegen Nasheed auf, zahlreiche Regierungsgegner versammelten sich vor dem Gebäude des TV-Senders.

Soldaten schossen daraufhin mit Gummigeschossen auf Polizisten und Demonstranten, auch Tränengas kam zum Einsatz, wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet (weitere Bilder). Die unabhängige Nachrichtenseite "Minivan News" hatte zuvor gemeldet, Polizisten hätten sich Demonstranten der Opposition angeschlossen.

Außenministerium: "Keine spezifische Gefahr" für Touristen
Eine spezifische Gefahr für Touristen sieht das Außenministerium in Wien derzeit aber nicht, wie Sprecher Nikolaus Lutterotti gegenüber krone.at erläuterte: "Aus den Touristenressorts sind uns keine Unruhen gemeldet worden, da sehen wir keinerlei Gefahr." Von einem Besuch der Hauptstadt rät das Außenministerium derzeit allerdings ab.

Laut Österreichischem Reisebüroverband dürften sich aktuell rund 200 über Reiseveranstalter gebuchte österreichische Gäste auf den Malediven befinden.

Vizepräsident nun neues Staatsoberhaupt
In einer "Botschaft an das Volk" auf seiner Homepage rief Waheed - noch in seiner Funktion als Vizepräsident - die staatlichen Organe dazu auf, die Verfassung zu achten. Das Büro des Präsidenten hatte mitgeteilt, die Regierung unternehme alles, um die Lage zu stabilisieren. Waheed soll das Amt des Präsidenten bis zum regulären Ende von Nasheeds Mandat im November 2013 ausüben, meldete das Staatsfernsehen.

Die Opposition verlangte die Festnahme von Nasheed, dem sie Korruption und Machtmissbrauch vorwirft. Der zurückgetretene Staatschef habe wiederholt gegen die Verfassung verstoßen, erklärte Hassan Saeed, Chef der "Dhivehi Quamee Party". In seiner Rückttrittsrede hatte der Präsident erklärt: "Mir liegt es fern, unser Land mit eiserner Faust zu regieren." Er ziehe einer solchen Option den Rücktritt vor.

Nasheed amtierte seit 2008 als erster demokratisch gewählter Präsident des Archipels, nachdem er seinen Amtsvorgänger Maumoon Abdul Gayoom nach 30 Jahren autoritärer Herrschaft besiegt hatte. Unter der Regierung seines Vorgängers war er wiederholt als politischer Gefangener inhaftiert. 

Die jüngsten Proteste hatten sich im vergangenen Monat an der Festnahme des Richters Abdulla Mohamed entzündet. Ihm war Fehlverhalten und die unzulässige Bevorzugung von Oppositionsvertretern vorgeworfen worden. Der Oberste Gerichtshof hatte die Freilassung des Richters gefordert, der sich aber weiterhin in Militärhaft befindet, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Bei den Kundgebungen der Regierungsgegner war es immer wieder zu zahlreichen Festnahmen gekommen (vorletztes Bild).

Touristenparadies im Indischen Ozean
Die Malediven bestehen aus 1.190 Inseln, von denen rund 200 bewohnt sind. Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen. Besonders bei Tauchern sind die Inseln aufgrund ihrer Korallenriffe und ihrer maritimen Artenvielfalt sehr beliebt. Die Inselrepublik hat knapp 400.000 Einwohner, die große Mehrheit der Bevölkerung lebt in Armut. 

Von 1887 bis zur Unabhängigkeit 1965 waren die Malediven britisches Protektorat. 1968 wurde das Sultanat abgeschafft und die Republik ausgerufen, die dem britischen Commonwealth angehört. In der Hauptstadt Malé fand 1989 eine internationale Konferenz wegen der Bedrohung der Inseln durch den steigenden Meeresspiegel statt.

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