"Sittliche" Mähnen
Iranischen Männern steht “Frisuren-Gesetz” bevor
Für Frauen gelten im Iran strenge Bekleidungsvorschriften. Sie müssen von Kopf bis Fuß in weite und blickdichte Stoffe gekleidet sein, dürfen keinen Modeschmuck und kein Make-up tragen.
Die Vorschriften werden aber nicht von allen Bevölkerungsschichten befolgt, in urbanen Regionen vermischt sich traditionelle Kleidung zunehmend mit westlicher Mode. Mit der Jahr für Jahr stärker werdenden Reformbewegung haben etwa bunt bestickte Kopftücher aus dünnen Stoffen, unter denen Locken und Haarsträhnen hervorblitzen, ins Straßenbild der Städte Einzug gehalten. Bei männlichen Jugendlichen gelten neuerdings Hollywoodstars wie Johnny Depp als beliebte Frisurvorbilder.
Polizei und Revolutionsgarden, die zum Vollzug der Kleiderordnung bemächtigt sind, dienen solche Verstöße aber speziell bei Regimegegnern schon einmal als Verhaftungsgrund.
Brave Scheitel, Pomade und Koteletten
Kleidung und Haarschnitt gelten bei Männern im Iran als politisches Zeichen. Auch die Gesichtsbehaarung ist Teil dieser Kultur. Wer Bart trägt, gilt als regierungstreu und religiös. Dementsprechend glattrasiert präsentieren sich oft die Gegner des Regierung von Mahmoud Ahmadinejad, selbst ein passionierter Bartträger.
Der Haarschnitt-Katalog von "Schleier und Sittsamkeit", der diese Woche vorgestellt wurde, war als Kompromissvorschlag der Organisation an die in Sachen Mode eindeutig westlich orientierte Jugend gedacht. So wird bei den Models zum Beispiel auf den Bart gänzlich verzichtet. Stattdessen werden den jungen Iranern brave Scheitel, Pomade-Mähnen mit wuchtigen Koteletten und getrimmte Wuschel-Frisuren "à la Hugh Grant" nahegelegt, wie ein Korrespondent der Associated Press meinte.
Würde der Katalog zum Gesetz, gäbe es damit aber umgekehrt plötzlich Frisuren außerhalb einer Norm. Pferdeschwanz, Stachelfrisur oder ausgefallene Rasuren, wie sie die iranische Stadt-Jugend trägt, stünden dann möglicherweise unter Strafe, glauben Beobachter. Die Organisation selbst übergab den Katalog diese Woche an das Kulturministerium. Angeordnet wurde bisher nur, dass jeder Friseur die auf "dem Gesetz und der Kultur unseres Landes" basierenden Haarschnitte in seinem Geschäft auszuhängen hat.
Kleidungskonflikte im Iran auf der Tagesordnung
Ob es tatsächlich zu einem "Frisuren-Gesetz" für Männer kommt, ist unklar. Derartige Vorstöße gebe es im Iran speziell zur Sommerzeit immer wieder, heißt es in einem Bericht der AP. Kleidungskonflikte stehen im Iran aber generell auf der Tagesordnung.
Erst vor wenigen Tagen wies der iranische Sportverband einen Vorschlag für neue Trikots des iranischen Frauen-Fußball-Nachwuchsteams als unpassend zurück. "Wir erkennen dieses Outfit nicht an, weil es weder die Haare noch den Körper ausreichend bedeckt", sagte die stellvertretende Chefin des Verbandes, Marsieh Akbarabadi. Iranische Frauen seien auch beim Sport verpflichtet, die Kleidungsvorschriften zu respektieren, und müssten dementsprechend lange Kleidung und ein Kopftuch tragen.
Die neuen Trikots - Fotos der Dressen wurden bisher nicht veröffentlicht - waren entworfen worden, nachdem der Internationale Fußballverband FIFA das Team wegen des früheren Entwurfs nach der iranischen Kleiderordnung von den Olympischen Jugendspielen ausgeschlossen hatte. Die iranische Staatsführung hatte aber darauf bestanden, dass die jungen Frauen nur so an den Spielen vom 14. bis 16. August in Singapur teilnähmen. Das neue Outfit wäre laut der iranischen Nachrichtenagentur ISNA von der FIFA akzeptiert worden. Die Teilnahme bleibe weiter ungewiss.







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